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BILD: Presserat spricht mehrere Rügen aus

PresseratDie Corona-Krise beherrscht die Medienwelt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses Thema auch auf die Arbeit des Deutschen Presserats auswirkt. Dieser rügte nun die Berichterstattung von Bild und Bild.de. Zurückgewiesen wurden hingegen Beschwerden bezüglich eines Titelbildes des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Gerügt wurden indes Darstellungen eines verprügelten Kängurus sowie zum sogenannten Axtmord von Limburg.

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Jeder kann sich an den Deutschen Presserat wenden, wenn eine Berichterstattung festgestellt wurde, die gegen die Berufsethik der Presse verstößt. „Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse“ heißt es in den presseethischen Richtlinien. Festgelegt wurden diese im Pressekodex, der 1973 beschlossen wurde.

Viermal im Jahr treffen sich die Beschwerdeausschüsse, die sodann die eingegangenen Beschwerden prüfen. Die Ausschüsse werden vom Plenum des Presserats gewählt und sind durch Journalisten und Vertretern zahlreicher Verlage besetzt. Zwischen dem 18. und 27. Mai 2020 tagten jüngst die Ausschüsse per Videokonferenz in mehreren Sitzungen und sprachen sechs Rügen aus, zahlreiche Beschwerden wurden jedoch als unbegründet zurückgewiesen.

So erhielten BILD und BILD.DE eine Rüge für die Berichterstattung über einen schweren Autounfall in Südtirol im Januar 2020, bei dem sieben Menschen starben. Dabei war ein Mann betrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Gruppe von Skiurlaubern gerast. Die Redaktion hatte zwei der Todesopfer identifizierbar mit Fotos gezeigt sowie persönliche Details zu den Lebensumständen der Verstorbenen mitgeteilt.

Allerdings lag der Redaktion die hierfür notwendige ausdrückliche Einwilligung der Angehörigen zum Abdruck nicht vor. Diese Vorgehensweise verstößt somit gegen die Pressekodex-Richtlinie 8.2, wonach Opfer besonders geschützt werden. Nur weil jemand zufällig Opfer eines Unglücks wird, darf er nicht automatisch identifizierend in der Presse gezeigt werden, befand der Beschwerdeausschuss.

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BILD.DE erhielt eine weitere Rüge für eine Berichterstattung über den Absturz einer ukrainischen Boeing im Iran. Auf dem Flug von Teheran (Iran) nach Kiew (Ukraine) war die Boeing 737-800 der Ukraine International Airlines (UIA) am 8. Januar 2020 kurz nach dem Start durch zwei iranische Flugabwehrraketen abgeschossen worden. Hierbei kamen 176 Menschen ums Leben.

In dem beanstandeten Beitrag hatte die Redaktion in einem Video über ein deutsches Opfer berichtet und dieses identifizierbar mit vollständigem Namen und Foto dargestellt. Eine Person des öffentlichen Lebens war die Verstorbene nach Ansicht des Presserats nicht, eine Einwilligung der Hinterbliebenen konnte die Redaktion auch in diesem Fall nicht vorlegen. Der besondere Schutz der Identität des Opfers nach Richtlinie 8.2 wurde somit missachtet.


Das in Hamburg erscheinende Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hatte im Rahmen der Corona-Berichterstattung ein Cover mit der Beschriftung Tageszeitungen Symbolfoto ONPRESSPresserat: Freiwillige Selbstkontrolle der Verlage (Symbolfoto: ONPRESS)„Made in China“ veröffentlicht. Beschwerden bezüglich dieser Titelseite wurden vom Presserat hingegen als unbegründet zurückgewiesen. Elf Leserinnen und Leser hatten das Titelbild, welches einen asiatisch aussehenden Menschen in Schutzmontur zeigt, mit Schutzmaske und einem iPhone in der Hand, als rassistisch empfunden. Es suggeriere eine Schuldzuweisung an China, jedoch kann das Bild aus Sicht des Gremiums unterschiedlich interpretiert werden. Seine Kernaussage aber ist, dass China das Ursprungsland des Virus ist und Corona von dort über die globalisierten Handelsketten in die Welt gelangte. Diese Sichtweise ist presseethisch zulässig und nicht diskriminierend nach Ziffer 12 des Pressekodex.

Ebenfalls wurde unter der Überschrift „Was Sie jetzt tun können müssen“ ein satirischer Beitrag auf SPIEGEL-online veröffentlicht, der von Lesern kritisiert wurde. Entsprechende Beschwerden wurden vom Presserat jedoch als unbegründet abgewiesen. In diesem Beitrag gibt die Redaktion „Praktische Tipps zum Umgang mit der trendigen Atemwegserkrankung“. 17 Leserinnen und Leser sahen in diesem Text eine Diskriminierung von Chinesen. Doch nach Auffassung des Presserats handelt es sich erkennbar um eine Satire, die sich zwar im Kern gängigen Anti-China-Ressentiments widmet, diese mit den Stilmitteln der Übertreibung und Provokation aufs Korn nimmt und damit einen Diskussionsbeitrag zum Umgang mit dem Virus leistet. Dies muss zwar nicht jedem gefallen, ist jedoch presseethisch zulässig ist.

Der Presserat rügte BILD und BILD.DE für die Veröffentlichung eines Fotos, auf dem zu sehen ist, wie ein Mann mit erhobener Axt seine Frau erschlägt. Dieser Mann hatte in Limburg im Herbst 2019 seine Frau in aller Öffentlichkeit ermordet. Die Abbildung der Tatausführung verstößt jedoch gegen die Ziffer 11 des Pressekodex, wonach die Presse auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid zu verzichten hat. Zudem hatte die Redaktion die Axt noch grafisch mit einem Kreis hervorgehoben. Nach Richtlinie 11.1 und 11.3 des Pressekodex hätte sie außerdem auch die Wirkung des Titelfotos auf die Angehörigen des Opfers sowie auf Kinder und Jugendliche beachten müssen.

Eine Rüge erhielt die Zeitung VOLKSSTIMME. Die für das nördliche und mittlere Sachsen-Anhalt in Magdeburg erscheinende Tageszeitung hatte unter der Überschrift „Finderlohn“ einen Beitrag veröffentlicht, in dem die Autorin erzählt, dass sie bei einer Tanzveranstaltung ein Geldbündel mit 125 Euro gefunden hat. Sie berichtet, dass sie sich nach Überlegungen, wo sie das Geld abgeben könnte, dafür entschieden hat, es als „Finderlohn“ zu behalten. Nach Ansicht des Presserats sind die Veröffentlichung und das darin geschilderte Verhalten geeignet, das Ansehen der Presse zu beschädigen, da mit der Unterschlagung einer Fundsache eine strafbare Handlung als Kavaliersdelikt dargestellt wird.

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Gerügt wurde die im Axel Springer Verlag erscheinende BILD aufgrund eines schweren Verstoßes gegen den Schutz der Persönlichkeit nach Ziffer 8 des Pressekodex. Denn unter der Überschrift „GEZ-Kassierer an Haustür erstochen!“ hatte die Zeitung über die Tötung eines städtischen Gebühren-Eintreibers berichtet und dabei unverpixelte Fotos des Opfers veröffentlicht. Doch dies wäre gemäß Richtlinie 8.2 des Pressekodex presseethisch nur dann zulässig gewesen, wenn der Redaktion vor der Veröffentlichung eine Zustimmung der Angehörigen oder sonstiger befugter Personen vorgelegen hätte. Allerdings hatte die Zeitung eine solche Erlaubnis auch in diesem Vorgang gegenüber dem Beschwerdeausschuss nicht dokumentiert.

Eine Verletzung der Ziffer 11 des Pressekodex sah der Presserat bei der Veröffentlichung eines Videos auf BILD.DE als gegeben und sprach auch in diesem Fall eine Rüge aus. In dem Film, in dem mehrfach gezeigt wurde, wie ein Mann mit der Faust auf ein bei einem Autounfall schwer verletztes Känguru einprügelt, das später starb, sah der Beschwerdeausschuss eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität. Ein öffentliches Interesse an einer Berichterstattung in dieser Form ist nicht erkennbar.


Die Beschwerdeausschüsse haben in ihren jüngsten Konferenzen insgesamt sechs öffentliche Rügen, 18 Missbilligungen und zehn Hinweise ausgesprochen. 22 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet, eine Beschwerde war begründet, führte jedoch zu keinen weiteren Maßnahmen.

Der Deutsche Presserat wurde 1956 mit dem Ziel, die Pressfreiheit und das Ansehen der Presse in der Öffentlichkeit wahren zu können, gegründet. Die Vollversammlung des Vereins setzt sich aus 28 Mitgliedern zusammen, mehrheitlich Journalisten und Juristen, die von den vier Trägerorganisationen, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), gewählt werden.

Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. 1973 beschloss man den Pressekodex, der als Selbstverpflichtung der in Deutschland tätigen Journalisten gilt. Der Kodex konkretisiert die Berufsethik der Presse. Auf dieser Grundlage soll das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien gewahrt werden. Jedermann kann Beschwerden, beispielsweise über eine Berichterstattung, bei der die grundgesetzlich garantierte Würde von Personen möglicherweise beeinträchtigt wurde, über ein Online-Formular einreichen.

 

 

 


Tags: Journalismus, Bild, Der Spiegel (Objektfamilie), Presserat

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