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Deutscher Presserat: Rüge für die Berliner Zeitung

Presserat2Auf seiner jüngsten Sitzung hat der Deutsche Presserat vier Rügen ausgesprochen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten jedoch nicht alle Gremien tagen. Aus Sicht des Presserates war der schwerwiegendste Verstoß bei der Berliner Zeitung festzustellen. Diese hatte in Teilen den sogenannten Pressecodex missachtet.

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Verleger und Journalisten hatten 1973 Grundlagen vereinbart, die bei der täglichen journalistischen Arbeit Berücksichtigung finden müssen. Danach muss unter anderem bei der Berichterstattung die Würde des Menschen beachtet, Recherchen sorgfältig durchgeführt, unwahre Darstellungen berichtigt, Persönlichkeitsrechte gewahrt werden, ebenso hat eine Trennung zwischen Redaktion und Werbung zu erfolgen. Verstöße können von jeder Person angesprochen werden, sodann erfolgt eine Prüfung durch den Presserat, der gegebenenfalls eine öffentliche Rüge ausspricht.

Eine Rüge erhielt nun die Berliner Zeitung. Der Verleger der Zeitung, Holger Friedrich, hatte gegenüber seiner Redaktion die Berichterstattung über den Börsengang eines Unternehmens angeregt, an dem er über ein weiteres Unternehmen selbst beteiligt war. Die Redaktion hatte nach eigener Aussage diese Anregung in Artikeln auf der Titelseite der Printausgabe unter der Überschrift „Ostdeutsche Erfolgsstory in der Medizin“ sowie online unter dem Titel „Biotech: Centogene gibt Debüt an der New Yorker Börse“ umgesetzt, ohne ein mögliches Eigeninteresse des Verlegers zu prüfen. Letztlich veröffentlichten sie diese Artikel, frei jeder Offenlegung des gravierenden Interessenkonflikts des Verlegers.

 

Auch die Online-Ausgabe der Zeitschrift Mädchen erhielt eine Rüge. Dort hatte man in einem Beitrag unter der Überschrift „Worauf stehen Jungs bei Mädchen? Die 5 Top Eigenschaften, auf die alle Jungen stehen!“ Affiliate-Links zu Glücksspiel-Angeboten veröffentlicht. Darin sah der Presserat allerdings eine unzureichende Trennung zwischen Redaktion und Werbung nach Richtlinie 7.1 des Pressekodex. Noch schwerwiegender war nach Ansicht des Beschwerdeausschusses allerdings der Verstoß gegen den Jugendschutz nach Ziffer 11. Denn mit den presseethischen Grundsätzen ist es unvereinbar, in einem redaktionellen Angebot, das sich in erster Linie an Jugendliche richtet, für Glücksspiele zu werben.

Eine Rüge erhielt zudem das Magazin Grazia, welches einem Unternehmen angeboten hatte, einen redaktionellen Beitrag über dessen Produkte zu veröffentlichen und diesen über die Social-Media-Kanäle der Zeitschrift zu pushen und zwar als Ausgleich für eine Geldforderung. Das Unternehmen hatte der Redaktion Modeartikel zugesandt. Diese Ware war dort jedoch teilweise verloren gegangen, woraufhin das Unternehmen eine Bezahlung forderte.

 

Mit der vom Verlag angebotenen Berichterstattung wollte die Redaktion eine Bezahlung der Ware ersetzen. Der Presserat stellte in diesem Zusammenhang klar, dass die redaktionelle Berichterstattung frei von jeglichen Gegenleistungen erfolgen muss, auch im Rahmen einer Kompensation für Schadensersatzforderungen. Bei einer Veröffentlichung dürfen ausschließlich publizistische Erwägungen eine Rolle spielen. In dem Angebot der Grazia sah der Presserat deshalb einen groben Verstoß gegen die in Ziffer 7 festgehaltene klare Trennung von Redaktion und Werbung.

Die Fernsehzeitschrift HörZu wurde wegen Verstößen gegen das Schleichwerbeverbot nach Ziffer 7, Richtlinie 7.2 des Pressekodex gerügt. Denn das Fernsehmagazin hatte gleich in mehreren Artikeln zu Gesundheitsthemen jeweils ein konkretes Präparat genannt, ohne dass hierfür ein ausreichendes Leserinteresse, zum Beispiel aufgrund eines Alleinstellungsmerkmals, aus dem Artikel hervorging. Die HörZu war bereits in der Vergangenheit vom Presserat für diese Praxis gerügt worden.

 

Insgesamt ergingen vier öffentliche Rügen, neun Missbilligungen und acht Hinweise. 14 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet, eine wurde vertagt.

 

Der Deutsche Presserat wurde 1956 mit dem Ziel, die Pressfreiheit und das Ansehen der Presse in der Öffentlichkeit wahren zu können, gegründet. Die Vollversammlung des Vereins setzt sich aus 28 Mitgliedern zusammen, mehrheitlich Journalisten und Juristen, die von den vier Trägerorganisationen, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), gewählt werden.

Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. 1973 beschloss man den Pressekodex, der als Selbstverpflichtung der in Deutschland tätigen Journalisten gilt. Der Kodex konkretisiert die Berufsethik der Presse. Auf dieser Grundlage soll das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien gewahrt werden. Jedermann kann Beschwerden, beispielsweise über eine Berichterstattung, bei der die grundgesetzlich garantierte Würde von Personen möglicherweise beeinträchtigt wurde, über ein Online-Formular einreichen.

 

 

 

 

 

Tags: Journalismus, Berliner Zeitung, Presserat, Grazia, HÖRZU

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