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Björn Höcke und die Geschichte einer Flasche Sekt

Höcke Björn Foto AfD Fraktion Landtag ThüringenBjörn Höcke (Foto: AfD-Fraktion Landtag Thüringen)Das hatte er sich wohl anders vorgestellt: Björn Höcke, Chef der Thüringer AfD, wollte einen Witz auf Kosten Brandenburgs Innenminister Schröter machen und spendete diesem öffentlichkeitswirksam eine Flasche Sekt, die den Empfänger jedoch nie erreichte. Vielmehr traf der Sekt bei der Tageszeitung taz ein. Man versteigerte die Flasche und spendete die erzielten 7.066,19 Euro einem gemeinnützigen Zweck. Nutznießer der Aktion: Flüchtlinge.

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Die Alternative für Deutschland startete am 13. Juli 2019 ihren Landtagswahlkampf im brandenburgischen Cottbus. Im Vorfeld der vor der Stadthalle auf einer Bühne abgehaltenen Veranstaltung hatte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (64, SPD) angekündigt, dass der Landesverfassungsschutz dabei „genau zuhören“ werde.

Die Kundgebung wird durch den Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz eröffnet, der an diesem Nachmittag von einem Moderator als „unseren angehenden Ministerpräsidenten“ bezeichnet wird. Zwischendurch beschwört Bundessprecher Jörg Meuthen die Einheit der Partei, bevor am Ende der Veranstaltung Thüringens Landeschef Björn Höcke von den etwa 1000 Zuhörern mit frenetischem Beifall begrüßt wird.

 

Höcke Björn Sektflasche tazFoto: taz.deHöcke greift die Ankündigung Schröters auf und zeigt der Menge eine Flasche der Marke „Fürst von Metternich“. Er hätte diese Marke bewusst gewählt, da er zwischen Schröter und von Metternich Parallelen sehen würde. Der österreichische Diplomat, Politiker und Staatsmann Klemens Wenzel Lothar von Metternich ging im 19. Jahrhundert gegen liberale Bewegungen vor um das monarchische System stützen zu können.

Höcke signiert die Rückseite der Flasche und überreicht sie dem Publikum mit der Bemerkung, „ein dienstbeflissener Beamter“ des Landesverfassungsschutzes könne sie für Innenminister Schröter mitnehmen. Die Sektflasche macht die Runde und wird schließlich von einem Zuhörer in Besitz genommen. Doch dieser ist kein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, sondern ein Manager in der IT-Industrie aus Hamburg, der als durchreisender Tourist anwesend war.

 

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Der Manager unternahm im Juli 2019 eine Radtour durch Ostdeutschland. Er fährt zunächst die Elbe entlang und erfährt dabei von der bevorstehenden AfD-Veranstaltung in Cottbus. Gegenüber der taz erklärt er später, weshalb er an der Kundgebung teilnahm: „Besser verstehen lernen, warum die AfD im Osten so viel Anklang findet. Und ich wollte meine Vorurteile darüber, woher dieser Erfolg kommt, überprüfen.“

Der Tourist reist weiter, verschickt die Flasche aber per Post an seine Familie in Hamburg. In die Heimat zurückgekehrt überlegt er, was man mit dem Sekt anfangen könne. Er selbst, so erläutert er, trinke überhaupt keinen Sekt und meldet sich schließlich bei der taz. Diese überprüft die Darstellung der Geschehnisse durch einen ausführlichen Faktencheck.

 

Die Redaktion der Berliner Tageszeitung analysiert die GPS-Daten der Radtour, nimmt Einblicke in Hotelbuchungsunterlagen, vorhandene Quittungen wie beispielsweise Kinokarten, die während der Reise anfielen und nimmt auch den Einlieferungsbeleg des Paketes, mit dem die Flasche nach Hamburg verschickt wurde, in Augenschein. Zudem werden Fotos und Videoaufnahmen von der Cottbusser AfD-Kundgebung gesichtet. „Wir sind uns sicher: Wir haben den Original-Metternich-Sekt“, so schließlich die Erkenntnis der taz.

Sodann werden Regeln für die Versteigerung aufgestellt. Interessenten können unter Angabe eines Stichwortes Beträge an den Förderverein des Brandenburgischen Flüchtlingsrats spenden. Jener Spender, der den höchsten Betrag innerhalb einer gesetzten Frist überweisen würde, erhält den Zuschlag. Sofern mehrere taz-Leser den gleichen höchsten Betrag zahlen sollten, entscheidet unter diesen Spendern das Los.

 

Inzwischen hat die taz einen Gewinner ausmachen können. 32 Spenden mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 7.066,19 Euro trafen bei der Flüchtlingshilfe ein. Der höchste Betrag wurde von einer Familie in Niedersachsen zusammengelegt. Für 3.047,11 Euro werde man den Sekt nun gemeinsam trinken, erklärte man gegenüber der taz.

 


Tags: taz

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