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ZDF-Legende Ulrich Kienzle ist tot

Kienzle Ulrich obs ZDF Svea PietschmannUlrich Kienzle (©obs ZDF Svea Pietschmann)Ulrich Kienzle, der deutsche Nahostexperte, Publizist und Moderator, ist tot. Er verstarb am Donnerstag, 16. April 2020, in Wiesbaden im Alter von 83 Jahren. Über fünf Jahrzehnte lang prägte er die Medienlandschaft. Chefredakteure und Intendanten würdigen ihn nun als vorbildlichen Journalisten.

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Kienzle war Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik des ZDF und zuvor Chefredakteur bei Radio Bremen. Dort gründete er das bis heute bestehende Fernsehregionalmagazin „buten un binnen“. Zu einem zeitgeschichtlichen Dokument wurde sein Interview mit dem irakischen Diktator Saddam Hussein. Einem breiten Publikum wurde er insbesondere durch seine Wortduelle, die er sich mit Co-Moderator Bodo Hauser im ZDF-Politikmagazin „Frontal“ lieferte, bekannt.

„Ulrich Kienzle war ein Top-Journalist. Er hat die Welt vor Ort in Augenschein genommen, um die Konflikte wirklich zu verstehen, über die er dann berichtet hat. Mit seiner Lust, Kante zu zeigen und mit seinem verschmitzten Humor hat er an der Seite von Bodo Hauser ZDF- und Fernsehgeschichte geschrieben" erklärte der ZDF-Chefredakteur Peter Frey.

 

Der am 9. Mai 1936 in Neckargröningen (Kreis Ludwigsburg, Baden-Württemberg) geborene Kienzle begann seine Karriere 1963 als Fernsehredakteur für die Abendschau beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR). Zusammen mit Dagobert Lindlau war er von 1972 bis 1974 als Redaktionsleiter und Moderator für das Auslandsmagazin Kompass zuständig. Es folgten Stationen als ARD-Korrespondent für die Arabische Welt zunächst in Beirut (Libanon), später in Kairo (Ägypten), sodann verantwortete er bis 1980 im ARD-Auslandsstudio in Pretoria (Südafrika) das Redaktionsgebiet Südliches Afrika.

Danach wechselte Kienzle zu Radio Bremen und war dort als Fernseh-Chefredakteur tätig. An der Weser entwickelte er das bis heute bestehende Regionalmagazin Buten & Binnen. In seine Bremer Zeit fiel während des Gladbecker Geiseldramas auch am 17. August 1988 das ausgestrahlte Fernseh-Interview mit dem Täter Hans-Jürgen Rösner an einer Bushaltestelle in Huckelriede. Ab 1990 arbeitete Kienzle schließlich für das ZDF. Zusammen mit Bodo H. Hauser übernahm er 1993 das Politmagazin Frontal („Noch Fragen, Kienzle?“).

 

Gerner Yvette Bild Radio Bremen Matthias HornungYvette Gerner (Bild: Radio Bremen/Matthias Hornung)Die Intendantin von Radio Bremen, Yvette Gerner, würdigte Kienzle mit den Worten „Ulrich Kienzle war ein Journalist mit Herzblut. Er hat nicht nur Radio Bremen durch die Entwicklung des Regionalprogramms ‚buten un binnen’ geprägt. Seine bissigen Kommentare werden in der deutschen Medienlandschaft fehlen. Die Antwort auf ‚Noch Fragen Kienzle?’ ist zu unserem großen Bedauern verstummt“

Buhrow Tom Bild WDR Herby SachsTom Buhrow (Bild: WDR/Herby Sachs)Der ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow fügte dem hinzu: „Ulrich Kienzle war als Journalist und Mensch ein Vorbild: geradlinig, unparteiisch, unerschrocken. Er wollte das ganze Bild verstehen, stellte besonders in seinen vielen Jahren als Auslandskorrespondent immer wieder die einfachen Freund-Feind-Bilder in Frage. In Erinnerung bleibt aber auch seine enorme Bandbreite: Dem Ausland gehörte sein professionelles Herz, die Mutter aller Regionalmagazine ‚buten und binnen’ hat er als Chefredakteur von Radio Bremen entwickelt.“

 

Seine persönlichen Ansichten zum seit 40 Jahren bestehenden Nahostkonflikt schilderte Kienzle in seinem Buch „Abschied von 1001 Nacht - Mein Versuch, die Araber zu verstehen“. Seine Ehefrau Ilse knüpfte daran an und veröffentlichte das eigene Buch „Die Frau des Journalisten“ und erläuterte darin, wie sie an der Seite des Fernseh-Korrespondenten den libanesischen Bürgerkrieg miterlebte.

 

 


Tags: Journalismus

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