Frankenberger Zeitung soll zum Herbst eingestellt werden

Die seit Jahren anhaltende Pressekonzentration führt in Hessen zur Schließung einer weiteren Tageszeitung. Wie der in Korbach ansässige Bing-Verlag mitteilte, wird zum 30. September 2015 die „Frankenberger Zeitung“ eingestellt. In einer ersten Verlautbarung machte der Verlag insbesondere den seit Januar 2015 geltenden Mindestlohn für Zeitungszusteller für die Entscheidung verantwortlich, räumte später jedoch auch weitere Ursachen ein.

So heißt es in einer am 16. April 2015 veröffentlichten Erklärung bezüglich der wirtschaftlichen Situation: „Deutlich verschärft wurde dies seit Jahresbeginn durch die Einführung des Mindestlohns, der insbesondere den Zeitungsverlagen im ländlichen Raum zu schaffen macht.“ Gegenüber dem Newsportal „turi2“ äußerte sich der Verleger Daniel Schöningh dann dahingehend, „dass nicht nur der Mindestlohn für Zeitungszusteller zum Aus der Zeitung geführt habe. Die Lokalzeitung habe sich ‚bereits längere Zeit wirtschaftlich negativ‘ entwickelt.“

Auflagenentwicklung der Frankenberger ZeitungVon den rund 80 Beschäftigten des Verlags, der auch die „Waldeckische Landeszeitung“ herausgibt, könnten 40 ihren Arbeitsplatz durch Kündigung verlieren. Betroffen von den Plänen sind Verlagsangestellte und Redakteurinnen und Redakteure, so der hessische Landesverband der Gewerkschaft verdi. Die Hannoveraner Verlagsgruppe Madsack hatte den Verlag 2003 gekauft und erst im Januar 2015 an die Verlagsgruppe Ippen veräußert. Ende März 2015 stellte Ippen die „Waldeckische Allgemeine“ ein, eine Teilausgabe der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“ („HNA“), wobei 20 Arbeitsplätze verloren gingen.

„Offenbar sieht man bei Ippen aber jetzt auch keine Notwendigkeit mehr, wenigstens ein Minimum an Zeitungsvielfalt zu erhalten. Von den bisher jeweils zwei miteinander im Wettbewerb stehenden Zeitungen wird die jeweils kleinere einfach vom Markt genommen“, kritisiert Manfred Moos vom Fachbereich Medien der ver.di Hessen. „Einmal mehr werden Arbeitsplätze und publizistische Vielfalt den Renditeerwartungen der Ippen-Gruppe untergeordnet.“

Die Vorgänge in Nordhessen machen nach Auffassung von ver.di deutlich, dass die vom Hauptausschuss des Hessischen Landtags beschlossene Anhörung „Zur Lage der Printmedien in Hessen“ überfällig ist. In weiten Teilen Hessens sieht ver.di die Pressevielfalt bereits als verloren an. Nordhessen wird von der Ippen-Gruppe dominiert, in Süd- und Mittelhessen ist die Verlagsgruppe der Mainzer Allgemeinen nach der angekündigten Übernahme des „Darmstädter Echo“ weiter auf dem Vormarsch. In der engeren Rhein-Main-Region dominiert die FAZ-/Societäts-Gruppe den Markt der Abo-Zeitungen.