Münstersche Zeitung wird eingestellt

Und erneut geht ein Stück Pressevielfalt in NRW verloren: Die zum Medienhaus Lensing gehörende Münstersche Zeitung (MZ) stellt zum 31. Dezember 2012 ihr Erscheinen in Rheine, Neuenkirchen und Wettringen ein. Den betroffenen Mitarbeitern sind andere Arbeitsplätze angeboten worden.

Der DJV-NRW bedauert, dass die Zeitungslandschaft in NRW erneut ärmer wird. „Wir erleben hier eine weitere Reduzierung des Angebotes“, erklärt Dr. Anja Zimmer, Geschäftsführerin des DJV-NRW. Sie verfolgt mit Sorge, dass Zeitungskonzentrationen auch in diesem Jahrzehnt weitergehen. „Die Zahl der Einzeitungskreise steigt – dieses Mal verliert der bevölkerungsstarke Teil des Nordens in NRW eine zweite Zeitung.“

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die vom Verlagshaus Lensing-Wolff vor fünf Jahren betriebene Tarifflucht durch den Austausch der Mitarbeiter der Lokalredaktion Münster die Verluste des Medienhauses offenbar nicht aufgehalten haben. „Tarifflucht hilft also auch nicht, wenn man scheinbar kein vernünftiges Geschäftsmodell hat“, erklärt Dr. Zimmer.


Der DJV-NRW hatte schon 2009 im Rahmen einer Anhörung der Landesregierung auf den fort-schreitenden Verlust der Zeitungsvielfalt in NRW hingewiesen (siehe Pressemeldung vom 22.05.2009). Seitdem ist es nicht besser geworden. Ganz im Gegenteil: Bei der WAZ gärt es, denn die angekündigten Einsparungen in Höhe von 20 Prozent in allen Bereichen werden kaum zu größerer Vielfalt führen (siehe Pressemeldung vom 19.09.2012). Unbill droht auch in Bielefeld: Das Bundeskartellamt hat vor einem Jahr die Übernahme der Bielefelder C.W. Busse Holding GmbH (u.a. Westfalen-Blatt) durch die Aschendorff Medien GmbH freigegeben (siehe Pressemeldung vom 05.01.2012). Durch die gerade verabschiedete Lockerung der kartellrechtlichen Rahmenbedingungen befürchtet der DJV eine weitere Zunahme der Zeitungskonzentration.

Über die unternehmerische Entscheidung im Hause Lensing-Wolff wurden die Mitarbeiter gestern vor Ort informiert. Jedem von ihnen ist ein Arbeitsplatz angeboten worden, erklärte Chefredakteur Hermann Beckfeld heute auf Anfrage des DJV-NRW, teilweise in Steinfurt, „weit überwiegend im Münsterland“. Wie die Angebote im Detail aussehen, ist unklar, der Verlag bleibt hier vage. Lensing-Wolff ist nicht gerade für einen offenen und wertschätzenden Umgang mit seinen Mitarbeitern bekannt.

Profitieren wird vom Einstellen der Münsterschen Zeitung der Verlag Altmeppen mit seiner Münsterländischen Volkszeitung. Laut Chefredakteur Beckfeld liegen die verkauften Auflagen der Münsterschen Zeitung für Rheine bei 1.899 Exemplaren, für Neuenkirchen bei 1.957 und für Wettringen bei 1.397.