Vor 20 Jahren: Mitarbeiter übernehmen die Tageszeitung junge Welt

Am 5. April 1995 gaben die damaligen Westeigentümer der jungen Welt die Einstellung der Zeitung bekannt. Belegschaft und Betriebsrat erfuhren davon auf dem Weg zur Arbeit aus dem Radio. Innerhalb kürzester Zeit organisierten sie, unterstützt von vielen Lesern, die Voraussetzungen dafür, dass die junge Welt weiter als Tageszeitung erscheinen konnte. Was damals fast alle für völlig unmöglich hielten, wurde dann doch Realität: Am 13. April 1995 lag die erste „Mutausgabe“ im Briefkasten der Abonnenten. 20 Jahre lang erschien seither die junge Welt an jedem Werktag.

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Trotz mancher politischer und ökonomischer Schwierigkeit konnte sich die junge Welt bis heute auf einem schwierigen Markt als linke, marxistische Publikation behaupten. In Zeiten, in denen andere über sinkende Zeitungsauflagen klagen, kann sie die verkaufte Auflage im Einzelhandel, im Print- und Onlineabonnement nach Verlagsangaben kontinuierlich steigern. Eine ivw-Auflagenprüfung findet hingegen nicht statt.

Anlässlich des 20. Jubiläums widmet sich die reguläre jW-Wochenendbeilage vom 4./5. April 2015 diesem damals sogenannten „Osterwunder“ mit einem Hintergrundgespräch mit Mitstreitern der ersten Stunde, einer Fotoreportage, mit O-Tönen von Wegbegleitern und Neuabdrucken von Artikeln der vermeintlich letzten Ausgabe vom 6. April 1995. Um gemeinsam auf den erfolgreichen Neustart in Eigenregie vor 20 Jahren anstoßen zu können, lädt der Verlag zudem Leser, Freunde und Genossenschaftsmitglieder ein zu einem kleinen Empfang am 13. April 2015, um 18.30 Uhr in der jW-Ladengalerie, Torstr. 6, 10119 Berlin-Mitte (U2 Rosa-Luxemburg-Platz)

Die Tageszeitung junge Welt wurde 1947 gegründet, war Zentralorgan der FDJ (Freie Deutsche Jugend) und auflagenstärkste Tageszeitung der DDR. Nachdem die Zeitung 1995 eingestellt wurde, organisierte kurz darauf ein Teil der Redaktion die weitere Herausgabe der Zeitung, bis diese Funktion 1998 der neue Mehrheitseigentümer des Verlages, die Genossenschaft LPG junge Welt eG, übernahm. Keiner Partei oder Organisation gehörend, versteht sich die Zeitung als einzige unabhängige linke, marxistische Tageszeitung in Deutschland und wird deshalb alljährlich vom Bundesamt für Verfassungsschutz in dessen Bericht mit einer täglichen Auflage von 17.000 Exemplaren als „das bedeutendste Printmedium“ der radikalen Linken in Deutschland bezeichnet.

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