Weltweit lesen 2,5 Milliarden Menschen gedruckte Zeitungen

Anlässlich des derzeit im italienischen Turin stattfindenden Kongresses des Weltzeitungsverbandes Wan-Ifra überbrachte Larry Kilman, Generalsekretär des Verbandes, den rund 1.000 teilnehmenden Verlagsmanager, Chefredakteuren und Verlegern gleich mehrere positive Nachrichten. Mit der Überschrift „Print lebt!“ könnten die Analysen des Verbandes zusammengefasst werden. Allerdings ist der Patient „Zeitung“ alles andere als kerngesund.

Mehr Menschen denn je lesen derzeit Zeitungen, wenn man die Print- und die Online-Ausgaben zusammenfasst. Allerdings können die Digitalversionen noch immer nicht genug Geld erwirtschaften, um einen qualitativ hochwertigen Journalismus gewährleisten zu können. Der Umstand, dass die Digitalgeschäfte noch immer defizitäre Verlagssparten darstellen, ist für Kilman eine Gefahr für die Gesellschaft und für die Demokratie: „Das ist eine Zukunftsfrage für den gesellschaftlichen Diskurs!“

Nach einer Erhebung der Wan-Ifra nahmen Zeitungen im Jahr 2013 weltweit etwa 120 Milliarden Euro ein, die sich aus Vertriebserlösen und Anzeigenverkäufen zusammensetzten. Damit ist die Zeitung noch immer ein umsatzstarkes Medium. Die Umsätze liegen noch vor dem Verkauf von Büchern (75 Millionen Euro), Filmen (64 Millionen Euro) und Musik (37 Millionen Euro). Gleichwohl darf nicht übersehen werden, dass sich die Umsätze der Zeitung seit 2008 um etwa 13 Prozent reduziert haben.

Im direkten Wettbewerb zwischen Print- und Digitalversion ist die gedruckte Zeitung noch immer unschlagbar. 93 Prozent der Gesamteinnahmen resultieren nach wie vor aus gedruckten Ausgaben. Im Jahre 2013 konnten die Druckauflagen zum Vorjahr weltweit um zwei Prozent gesteigert werden. Dieser Zuwachs resultiert aus den Märkten in Afrika (7,5 Prozent seit 2008), Asien (+6,7 Prozent) und Lateinamerika (+6,3 Prozent). Dahingegen gingen im gleichen Zeitraum die Auflagen in Nordamerika (-10,3 Prozent), Australien (-20 Prozent) und Europa (-23 Prozent) zurück.

Besorgniserregende Zahlen legte die Wan-Ifra hinsichtlich der Werbeeinnahmen vor. So reduzierten sich die Umsätze der geschalteten Werbung in Zeitungen von 2012 zu 2013 weltweit um sechs Prozent, von 2008 zu 2013 sogar um 13 Prozent. Die digitale Werbung konnte indes um elf Prozent (2012 zu 2013) bzw. 47 Prozent (2008 zu 2013) zulegen: „Ein großer Teil der Internetwerbung geht an eine Handvoll Konzerne, und am meisten davon an Google“, so Larry Kilman. Mit 40,1 Prozent Marktanteil am weltweiten Werbevolumen bleibt jedoch das Fernsehen unangefochten an erster Stelle. 20,7 Prozent der Budgets werden für Onlinemedien verplant, 16,9 Prozent für Zeitungen, 7,9 Prozent für Zeitschriften, 7 Prozent für Außenwerbung, 6,9 Prozent für Radio- und 0,5 Prozent für Kinowerbung.

Kilman gab auch einen Einblick in das Verhalten der Besucher der Websites von Zeitungen. 46 Prozent der Internetuser besuchen die Onlinepräsenzen von Zeitungsverlagen. Diese Nutzer würden jedoch die Internetseiten der Verlage „nur nebenbei“ aufrufen, neben den Verlagsseiten werden noch durchschnittlich 94 weitere Internetangebote besucht. Insgesamt würden die User lediglich 1,1 Prozent ihrer Onlinezeit den Zeitungsverlagen widmen. Insofern bleibt fraglich, ob man tatsächlich von einem „Lesen“ der Artikel sprechen kann oder nicht vielmehr nur schnelle Informationen (z.B. der Wetterbericht) abgerufen werden.