Folge uns auf Facebook

Comicübersetzer: Sprechsprache und Lautmalerei bereiten Kopfzerbrechen

Comics erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit und dies bei Groß und Klein. Einen besonderen Reiz machen dabei nicht zuletzt die in Worten dargestellten Geräusche aus. Verkannt wird von den Lesern jedoch meist die Arbeit, die bei der Übersetzung ins Deutsche entsteht. Ein mehrjähriges Forschungsprojekt sowie eine internationale Tagung an der Uni Heidelberg soll dem nun Abhilfe schaffen – uffz!

Kaum jemand dürfte Gudrun Penndorf kennen. Anders hingegen ein kleiner Ausruf, den sie einst ins Deutsche übersetzt hatte. Aus dem französischen „Ils sont fous, ces Romains“ wurde das weit verbreitete „Die spinnen, die Römer“. Dabei hätte der Ausruf wörtlich übersetzt eigentlich „Die Römer sind doof“ lauten müssen. Doch Aufgabe eines Comicübersetzers ist eben nicht allein, ein Werk in eine andere Sprache zu transferieren, sondern der Aussage eine dem gezeichneten Werk gerecht werdende Rhythmik und Aussagekraft zu verleihen. Das Übersetzen von Comics ist somit alles andere als eine leichte Aufgabe – stöhn!

{module Google Inhalt}

In einem dreijährigen Forschungsprojekt verglich Nathalie Mälzer, Juniorprofessorin für Transmediale Übersetzung an der Universität Hildesheim, das übersetzte Werk mit der ursprünglichen Sprachversion: „Die Kürze ist eine Herausforderung. Auf engstem Raum müssen Übersetzer die Aussagen in einer Sprechblase herüberbringen und komplexe Beziehungen zwischen Bild und Text berücksichtigen. Sie können nicht, wie bei Romanübersetzungen möglich, Informationen nach Bedarf ergänzen, der Platz ist begrenzt. Außerdem soll der Eindruck einer natürlichen Sprechweise der Figuren erhalten bleiben. Übersetzer müssen also, in ihrer Sprache passende Mündlichkeitsmerkmale aussuchen, um die Illusion zu erzeugen, dass sich da Figuren unterhalten“ – grübel!

Besonders knifflig ist aber die wortmalerische Darstellung von Ereignissen in der zu erzählenden Geschichte: „Auch für Laute und Geräusche müssen Comicübersetzer passende Worte (er)finden und phantasievoll in fremde Welten eintauchen. Soundwords und Lautmalerei können arge Kopfzerbrechen bereiten.“ Je unrealistischer das Szenario - wie müsste etwa in Kurt Busieks SciFi-Welt „Astro City“ eine startende Rakete auf Deutsch klingen, wenn sie im Englischen „SHREEEEEEEEEE“ macht? - desto weniger kann sich der Übersetzer auf seine Alltagserfahrung verlassen. „Dabei sind Comic-Fans nicht alle Übersetzungen lieb - Mangas etwa enthalten auch in deutschsprachigen Ausgaben japanische Buchstaben mit hoher Bildqualität. Diesen Text versteht man ohne japanische Sprachkenntnisse nicht. Deshalb wird dort die Übersetzung dem Original-Soundword hinzugefügt.“, so die Wissenschaftlerin Mälzer. – schwitz!

Im Oktober/November 2014 richtet die Literaturwissenschaftlerin Mälzer zudem eine internationale Tagung zum Thema Comicübersetzen aus. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Themas stecke noch in den Kinderschuhen. Fachleute befassen sich dann mit Adaptionen und Problemen bei der Übersetzung von Comics, etwa der Platzbeschränkung durch Sprechblasen. Ferner geht es um Wortspiele und Reime, Humor und Komik. Die Forscher betrachten die historische Entwicklung von Comic-Übersetzungen in Deutschland und erörtern professionelle Rahmenbedingungen. Details zum Rahmenprogramm sind online abrufbar unter www.uni-hildesheim.de/comictagung/ freu!

Neu im Handel

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7

Top Artikel auf Pressenews in Deutschland

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26
  • 27
  • 28
  • 29
  • 30