Hermann Petz: "Es lebe die Zeitung!"

Hermann Petz

"Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung!" Im Rahmen eines Pressegesprächs stellte Magister Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding AG, sein neues Buch vor. Auf 176 Seiten setzt der Medienmanager ein Zeichen gegen Untergangspropheten, die seit 20 Jahren das Ende der gedruckten Zeitung heraufbeschwören. Bekanntermaßen allerdings ohne rechte Wirkung. "Kassandra ruft schon ziemlich lange", stellt Petz in seiner Denkschrift fest, "aber bislang ohne Erfolg!" Warum das so ist, belegt der Autor anhand einer Fülle von Zahlen, Daten, Fakten und profunden Argumenten. Er kommt zu dem Schluss, dass das Zeitungssterben nicht stattfindet und ruft die Branche zu mehr Selbstbewusstsein auf.


TT-Jubiläum. "Wir werden auch den 100sten in einer großen Sonderbeilage feiern!"
Den Zeitpunkt für die Herausgabe des Buches hat Petz nicht zufällig gewählt: Die Tiroler Tageszeitung (TT), Flaggschiff der Moser Holding, feierte am 21. Juni 2015 ihren 70. Geburtstag. Damit beantwortet Petz auch die Frage, ob die gedruckte Tiroler Tageszeitung auch ihren hundertsten Geburtstag noch feiern wird, mit einem klaren Ja. "Ich bin davon überzeugt, dass die Verantwortlichen auch in 30 Jahren eine große TT-Jubiläumsausgabe herausgeben werden - natürlich auch in Print. Die Tiroler Tageszeitung wird dann auf allen Kanälen noch mehr Leser haben als heute", so Petz, der damit dem Tiroler Leitmedium - in Print und Online knapp 50 Prozent Reichweite - die Latte weiter nach oben legt.

Zahlen und Fakten in Fülle - und 10 Thesen zur Zeitungszukunft
Seine Analyse zur Zukunft der Zeitung unterfüttert Petz zusätzlich mit einer eigenen, österreichweit durchgeführten GfK-Umfrage zu Nutzung und Ansehen der verschiedenen Mediengattungen. In zehn Thesen legt der Autor die Bedeutung für die professionelle Information durch Printmedien dar und erläutert, was die Zeitung auch in Zukunft unverzichtbar macht.

So ist die Zeitung nicht nur Anker und Finanzierungsgrundlage für Online-Journalismus. Sie schafft auch Orientierung und Identität, sie ordnet die Nachrichten ein und bewertet diese, sie kreiert ein "Freeze Briefing" und sagt dem Leser, welche Nachrichten in seiner Region und der Welt wichtig sind.

Petz legt anhand fundierter Untersuchungen dar, warum Werbung in Print mehr und vor allem konzentriertere Aufmerksamkeit erzielt und rät Printmarken zu durchaus mehr Selbstbewusstsein auch im Umgang mit Agenturen. Und ganz nebenbei macht der Autor den Zeitungslesern ein Kompliment: Es sind die klugen Menschen, die die Zeitung als erste Wahl zum Bezug professioneller Information ansehen. Gründe dafür nennt der Autor gleich mit.

 

Friedliche Koexistenz mit Online
Petz ist ein Online-Fan: "Das Internet kann viele Dinge, die andere Medien, erst recht die gedruckte Zeitung, nicht können. Dinge, die auch für uns Zeitungsverleger mittlerweile unverzichtbar sind", sagt Petz, für den ein Entweder-Oder in der Diskussion Print-Digital völlig fehl am Platz ist. Doch er gibt zu bedenken, dass eine dramatische Entprofessionalisierung der Information im Netz stattfindet, bedingt vor allem dadurch, dass Zugang und Teilhabe an Information ungeregelt sind. "Im Gegensatz zum Journalismus, der nach klar definierten Regeln funktioniert, kann dort jede Information ungefiltert abgesetzt werden. Aus dem Traum vom demokratischen Medium Internet entstanden gigantische Marketingmaschinen", so Petz. Das Überwachungspotenzial gefährdet zudem die Persönlichkeitsrechte, weshalb Petz zu einem bewussten Umgang mit Daten rät und zur kritischen Auseinandersetzung mit den Informationen aus dem Netz.

Mag. Hermann Petz, geboren 1961, studierter Betriebswirt mit Erfahrung im Bankmanagement trat 1990 in das Medienhaus der Moser Holding ein. Seit 1997 ist er Vorstand, seit 2003 Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, die mittlerweile Westösterreichs größtes Medienunternehmen ist. Hermann Petz ist Mitglied des Vorstandes und des Präsidiums des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Vorstandsvorsitzender der Austria Presse Agentur (APA) sowie Österreich-Delegierter der ENPA (European Newspaper Publishers Association).