Neues Landesmediengesetz macht Verlegern Sorge

ZVNRW

Auf der heutigen Jahreshauptversammlung des Zeitungsverlegerverbandes Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) in Aachen standen inhaltliche Diskussionen der politischen Rahmenbedingungen der Medienhäuser im Mittelpunkt. Schon in seiner Rede zu Beginn der Tagung ging der Vorsitzende des Verbandes, FUNKE MEDIENGRUPPE-Geschäftsführer Christian Nienhaus, auf die Gründung einer Stiftung Vielfalt und Partizipation ein, die die Landesregierung plant.


„Wir haben die Landesregierung um Klarstellung gebeten, dass jeder staatliche oder staatlich organisierte Zugriff auf die freie Presse unterbleibt. Die Presse muss frei bleiben. Wir wollen keine Subventionen, sondern faire Rahmenbedingungen. “Deshalb, so Nienhaus, lehnen die Zeitungsverleger, die auch am nordrhein-westfälischen Lokalfunk beteiligt sind, auch die gesetzliche Verlagerung der Zuständigkeiten für die Internetangebote von den verlagseigenen Betriebsgesellschaften auf die Veranstaltergemeinschaften ab.

„Wir haben uns gerade erst erfolgreich gegen die Onlinezeitung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gewehrt. Jetzt will uns die Landesregierung dazu zwingen, den subventionierten Wettbewerber auch noch selbst zu bezahlen. Das ist absurd. Im Internet gibt es auch keine Meinungsmacht der Verleger, die man einschränken müsste.“ Lob gab es von Nienhaus für die Pläne der Landesregierung, die regionale TV-Werbung ohne regionale Inhalte auszuschließen und den Vorrang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Vergabe von Frequenzen einzuschränken.

Am frühen Nachmittag begrüßten die nordrhein-westfälischen Verleger den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Dr. Ralf Brauksiepe MdB. Im Fokus stand bei der Diskussion mit Brauksiepe vor allem das Thema Mindestlohn. Nienhaus zitierte mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz der Zeitung Bundestagspräsident Lammert, der die Zeitung als systemrelevant bezeichnet hatte. „Wir konfrontieren Menschen auch mit Themen, die sie nicht im Internet suchen. Wir liefern den Menschen, was gesellschaftspolitisch relevant ist.“

Im späteren Verlauf erwarten die Verleger Boris Schramm, Managing Director der Mediaagentur GroupM, in Aachen, um mit ihm über zukünftige Vermarktungsstrategien der Zeitung zu sprechen. Nienhaus wies auf die hohe Glaubwürdigkeit der Zeitung im Vergleich zu anderen Medien hin. „Diese Glaubwürdigkeit nutzt auch unseren Werbekunden. Die seriöse Zeitung ist ein besseres Werbeumfeld als krawallige Nachmittags-Talkshows des Privatfernsehens.“

Der Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen vertritt die Interessen von 39 Zeitungsverlagen, die derzeit 40 Tageszeitungen herausgeben. Die verkaufte Auflage der verbandsangehörigen Zeitungen betrug im ersten Quartal 2013 knapp 2,90 Mio. Exemplare.