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Tageszeitungen: Fast jeder zweite liest eine gedruckte Zeitung

Dietmar Wolff (Foto: BDZV / Bernd Brundert)Dietmar Wolff (Foto: BDZV / Bernd Brundert)„Printsterben“, „Medienkrise“: plakative Worte, die den Eindruck vermitteln könnten, Printprodukte wären antiquiert und hätten keinerlei Zukunft. Doch betrachtet man die Details, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Und dabei greifen selbst Jugendliche zur Tageszeitung. Und zwar zu der gedruckten Version.

 

 


Immer wieder hört man, dass eine Zeitschrift eingestellt wurde. Dies mag auch dem Prinzip „only bad news are good news“ geschuldet sein. Dass aber wesentlich mehr neue Produkte in den Markt gelangen als eingestellt werden, bleibt der Öffentlichkeit weitgehend vorenthalten. Denn neue Titel sind im Anfangsstadium zunächst weitgehend unbekannt und gewinnen erst im Laufe nachfolgender Erscheinungsjahrgänge einen relevanten Bekanntheitsgrad. Kaum einer hatte den Start der Zeitschrift „Landlust“ zur Kenntnis genommen, als diese am 27. Oktober 2005 mit einer Auflage in Höhe von 80.000 Exemplaren erstmals an den Handel geliefert wurde. Nicht einmal fünf Jahre später lag die Auflage sodann aber bereits bei 1,2 Millionen Auflage und war den Medien eine entsprechende Erwähnung wert.

Auch wird ein Auflagenrückgang vielfach als Indiz für eine vermeintliche Printkrise angeführt. Und die Rückgänge erwecken tatsächlich durchaus erschreckend negative Eindrücke. So meldet die Fernsehzeitschrift „HörZu“ im zweiten Quartal 2019 eine verkaufte Auflage in Höhe von 929.030 Exemplaren. 40 Jahre zuvor, im zweiten Quartal 1979, konnten noch 3.869.201 Exemplare abgesetzt werden. Doch dabei darf ein wesentlicher Umstand nicht übersehen werden.

 


Noch in den 1970er Jahren war der Markt der TV-Programme, die am Kiosk erhältlich waren, sehr überschaubar. Im Zeitschriftenhandel verfügbar waren die besagte „HörZu“, „TV Hören und Sehen“, „Funkuhr“ und „Gong“. Inzwischen ist der Programmzeitschriften-Markt auf etwa 50 Titel angewachsen (siehe Übersicht im Artikel „Klambt bringt mit „tv4plus 1“ eine weitere Fernsehzeitschrift in den Handel“ vom 8. Mai 2015). Ein Auflagenrückgang kann also nicht unbedingt einen Rückschluss auf eine vermeintliche Krise darstellen. Vielmehr kann sich eine weiterhin anhaltende Nachfrage eben nur auf mehrere Mitbewerber verteilen. Und der Trend der Neuerscheinungen hält weiter an. Gab es in den 1990er Jahren etwa 2.000 verschiedene Titel im Handel, wird aktuell bereits die 8.000er Marke geknackt.

Eine nunmehr veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass jeden Tag noch 38,1 Millionen Bürger in Deutschland zu einem gedruckten Zeitungsexemplar greifen. Mehr als jeder zweite Deutsche liest auch weiterhin eine Zeitung, gedruckt oder digital. Die Reichweite liegt bei 53,9 Prozent. Und diese Reichweite steigt sogar. Den größten Anteil an der steigenden Reichweite haben dabei die regionalen Abonnementzeitungen mit 30,9 Millionen täglichen Printlesern. Überregionale Abozeitungen erreichen 3,3 Millionen Leser, gedruckte Boulevardblätter 9,7 Millionen.

 


Analysiert wurde auch, welche Bevölkerungsschicht überdurchschnittlich oft zu Printzeitungen greift. So lesen 62,3 Prozent der leitenden Angestellten eine gedruckte Zeitung, ebenso wie 56,4 Prozent der Akademiker. Von den Deutschen mit einer abgeschlossenen Lehre nutzen sogar 64,5 Prozent täglich eine Zeitung. Jüngere Leser bevorzugen zwar überwiegend digitale Angebote, aber dennoch liegt der Anteil in der Gruppe der unter 30jährigen, die eine Printausgabe nutzen, bei 28,7 Prozent.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff, erklärt hierzu: „Den Lesern stehen heute gedruckt und digital mehr Zeitungsangebote zur Verfügung als je zuvor.“ Nach Ansicht des Verbandes „sind Zeitungen damit unverzichtbarer Bestandteil des täglichen Lebens und Garanten des Informations- und Meinungsaustauschs in unserer Gesellschaft.“

Für die Analyse wurden rund 130.000 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren befragt.

(Quelle)

 

 

Tags: Tageszeitung, BDZV, Mediennutzung, Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma)

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