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DIE ZEIT: Rezo startet eigene Kolumne

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Wir haben gesellschaftliche Probleme, ohne Zweifel. Da sind Bevölkerungsgruppen, die im Zusammenhang mit dem Thema Zuwanderung Angst empfinden und dabei dann auch krude Begriffe wie „Umvolkung“ oder „Übervölkerung“ verwenden. Diese Absurdität der Übervölkerungs-Theorie hatte der Comedian Bernhard Hoëcker einst in der NDR-Talkshow verdeutlicht.

Wenn Mitmenschen Angst vor Fremden haben, so ist das zwar nachvollziehbar, weil es in der Natur des Menschen liegt, neue Situationen zunächst als unbehaglich zu empfinden. Aber es ist eben nicht begründet, weil neue Umstände nicht zwangsläufig schlecht sein müssen, vielmehr der Entwicklung sogar förderlich sein können.

Ist die Erde eine Scheibe?

Da sind aber eben auch jene Gruppen, die vollkommen absurde Theorien übernehmen oder gar selbst entwickeln und somit nicht nachvollziehbare Ängste schüren. So zum Beispiel in Bezug auf „Chemtrails“ oder der Forderung danach, dass die auf Produkten angebrachten Strichcodes „entstört“ werden müssten. Hinzu kommt inzwischen, man mag es kaum glauben, wieder die Gruppe der „Flat Earther“, die der festen Überzeugung ist, dass die Erde eine Scheibe ist.

 

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Es ist der Sache nicht dienlich, wenn man es nun darauf beruhen lässt, die Verschwörungstheoretiker einfach nur als dumm zu bezeichnen. Konstruktiv wäre es vielmehr, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Und diesbezüglich gibt es sogar vielerlei Ansätze, fast alle haben mit Bildung zu tun.

Die Biologen nutzen bezüglich der Entwicklung eines Lebewesens den Begriff „Prägung“. Die Wikipedia schreibt hierzu, und man könnte es mit eigenen Worten nicht besser verdeutlichen: „Prägung nennt man in der Verhaltensbiologie eine irreversible Form des Lernens: Während eines meist relativ kurzen, genetisch festgelegten Zeitabschnitts (sensible Phase) wird die Reaktion auf einen bestimmten Reiz der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoire aufgenommen, dass diese Reaktion nach erfolgter Prägung wie angeboren erscheint. Im Rahmen der Instinkttheorie wird das Phänomen Prägung gedeutet als die Aneignung der Reaktion auf einen Schlüsselreiz.“

 

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Und nun muss man sich diesbezüglich vor Augen halten, dass in einigen Regionen, in denen der Ausländeranteil der Bevölkerung überdurchschnittlich hoch ist, sich dieser Anteil auch in Kindergartengruppen widerspiegelt. Dort werden Kinder, denen Vorurteile grundsätzlich fremd sind, also dahingehend geprägt, dass das Miteinander mit Ausländern eine vollkommen übliche Sache ist. In DDR war es beispielsweise hingegen üblich, dass die dort als „Vertragsarbeiter“ bezeichneten Ausländer außerhalb der Arbeitszeit von der DDR-Bevölkerung getrennt wurden. Es gab auf privater Ebene kein gesellschaftliches Miteinander, es erfolgte keine Prägung dahingehend, dass es auch Menschen anderer Herkunft gibt.

Dann ist da noch die Frage, weshalb so viele die AfD wählen, aber den Umfragen nach zu urteilen, oftmals mit den von der Partei vertretenen Positionen nicht übereinstimmen. Doch dabei ist diese Frage keineswegs neu. Nach der Wende wunderten sich insbesondere Politiker in den alten Bundesländern, weshalb die PDS (heute: Die Linke) so viele Stimmen erhalten würde. Schließlich stünde diese ja in der Tradition der SED und wäre somit irgendwie auch mitverantwortlich für den Zusammenbruch der DDR.

 

Aber welcher Westpolitiker hatte sich denn zur Wende mit den Alltagsproblemen der DDR-Bürger auseinandergesetzt? Die damalige Bundesregierung zeigte sich ja sogar dahingehend überrascht, wie marode die Infrastruktur zwischen Ostsee und Erzgebirge war. Gab es darüber zuvor keine Erkenntnisse? Westpolitiker kamen in die DDR um Verhandlungen zu führen und Reden zu halten. Dass die Versorgungslage im Frühjahr 1990 aber immer schlechter wurde stand zwar in der Zeitung. Aber es ist dennoch ein Unterschied, ob man von Schwierigkeiten nur liest oder sie sogar zu spüren bekommt.

Sowohl zur Bundestagswahl 1990 als auch 1994 traf man auf den Weg zur Konsum-Kaufhalle oder vor dem DLK-Würfel (DLK=Dienstleistungskombinat, ein vor allem in Neubaugebieten auf zwei Etagen begrenztes und in quadratischer Form errichtetes Gebäude, indem sich meist eine Post, ein Jugendclub, ein Supermarkt und andere Einrichtungen wie Reparaturannahmestellen oder Frisöre unter einem Dach befanden) ausschließlich Info-Stände der PDS. Ganz gleich ob die Parteivertreter irgendwelche Initiativen für die Bürger ergreifen konnten. Sie waren aber vor Ort und hörten dem Wähler zu.

 

Tags: Journalismus, Die Zeit, Politik und Nachrichten (Objektgruppe), Rezo

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