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Frankreich: Anschlag auf „Charlie Hebdo“ jährt sich zum fünften Mal

Charlie HebdoHeute jährt sich zum fünften Mal der Anschlag auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“, bei dem insgesamt zwölf Menschen getötet wurden. Das Magazin veröffentlicht in diesem Zusammenhang eine Sonderausgabe, mehrere Redaktionsmitglieder treten erstmals seit dem Attentat live im französischen Fernsehen und im Radio auf. Auch in Deutschland wird an die Opfer erinnert.

 

 

 

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Am 7. Januar 2015 hatten zwei schwer bewaffnete Islamisten die Redaktion von „Charlie Hebdo“ in Paris gestürmt und dabei elf Menschen getötet, darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Auf ihrer Flucht töteten sie später auch einen Polizisten. Sicherheitskräfte erschossen die beiden Täter am 9. Januar 2015, die sich zwischenzeitlich 30 Kilometer vom Pariser Stadtzentrum entfernt in der Gemeinde Dammartin-en-Goële verschanzt hatten.

Nach dem Anschlag setzte unter dem Schlagwort „Je suis Charlie“ eine weltweite Welle der Solidarität ein. Am 11. Januar 2015 fand in Paris eine zentrale Gedenkkundgebung statt, an der sich etwa 1,5 Millionen Menschen beteiligten. Auch ausländische Regierungsvertreter nahmen teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, der österreichische Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi und der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán.

 

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In einem Rückblick stellt der französische Zeichner Renaud Luzier, der selbst über 20 Jahre für „Charlie Hebdo“ tätig war, gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die Frage, wie viele die Zeitschrift zuvor überhaupt gekannt hatten. Das Magazin wäre dem Bankrott nahe gewesen, die Auflage lag zuvor bei 60.000 Exemplaren und stieg danach auf sieben Millionen Stück. Der ehemalige Chefredakteur der deutschen Satirezeitschrift „Titanic“, Tim Wolff, blickt in einem mit dem Deutschlandfunk geführten Gespräch kritisch auf jene Zeit zurück und bezeichnet diese als eine kurze Zeit „verlogener Solidarität“.

Im November 2016 kam „Charlie Hebdo“ dann erstmals in deutscher Sprache an die Kioske. Der Berliner Tagesspiegel stellte hierbei die kritische Frage, ob sich französischer Humor überhaupt übersetzen ließe. Ein Jahr später wurde die deutsche Ausgabe bereits wieder eingestellt. Die Chefredakteurin Minka Schneider begründete diesen Schritt auch mit einer unterschiedlichen Kultur des Humors. Während sich Satiremagazine wie „Titanic“ oder „Eulenspiegel“ durchaus im deutschen Zeitschriftenhandel behaupten können, war dies bei „Charlie Hebdo“ hingegen trotz deutlich niedriger Druckkosten nicht der Fall. Man hätte inhaltlich mehr auf deutsche Themen eingehen müssen, räumte Schneider gegenüber dem Deutschlandfunk ein.

 

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Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, man wolle heute an die Opfer des Anschlags auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ erinnern. „Das war die schlimmste Attacke der letzten Jahre auf die Presse- und Meinungsfreiheit in Frankreich“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall (Foto: Frank Sonnenberg)Frank Überall (Foto: Frank Sonnenberg)Frank Überall. „Die Redaktion von Charlie Hebdo hat danach bewiesen, dass sie sich nicht unterkriegen lässt. Dafür danke ich den Kolleginnen und Kollegen im Namen aller Journalisten im DJV.“ Maßgeblichen Anteil daran hätte aber insbesondere auch die überwältigende internationale Solidarität gehabt.

Überall fügt hinzu: „Es tut weh, dass deshalb zwölf Menschen ihr Leben lassen mussten.“ Und unverändert wäre die Presse- und Meinungsfreiheit bedroht, und dies auch in Deutschland, wie aktuell die heftigen Auseinandersetzungen um die „Umweltsau“-Satire des WDR zeigen würden. Auf Kosten der Meinungsfreiheit würden „interessierte Kreise“ politisches Kapital ziehen wollen, so der Verband. Überall: „Hass und Intoleranz dürfen nicht die Oberhand gewinnen.“

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Tags: Pressefreiheit, DJV, Charlie Hebdo, Zeitgeist (Objektgruppe), Frankreich

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