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Reader’s Digest liefert eine kleine Anleitung zum Glücklichsein

Readers Digest 202006Die Lesegewohnheiten in der Gesellschaft ändern sich und somit auch der Printmarkt. Es kommen neue Titel hinzu, andere werden eingestellt und wiederum andere überarbeiten ihr Konzept, wie beispielsweise „Reader’s Digest“, doch leider fast unbemerkt. Denn die Neuausrichtung kann sich durchaus sehen lassen. Das Porträt einer Institution im Zeitschriftenmarkt.

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Rave-Musik? Kennt heutzutage kaum noch jemand. Die Loveparade ist längst Geschichte, die Raver nur noch eine eingeschworene kleine Gemeinschaft und somit ist im Handel längst keine Zeitschrift mehr vertreten, die sich mit Rave beschäftigt. Stattdessen kaperten irgendwann Sudoku-Zeitschriften die Zeitschriftenregale und mit der Landlust setzte eine regelrechte Flut an „Country-Zeitschriften“ ein.

 

Wie ein guter Freund der Familie

In Anbetracht der Tatsache, dass es inzwischen über 8.000 Titel im deutschen Handel gibt ist die Zahl der Zeitschriften, die irgendwie schon immer und noch immer gedruckt werden, sehr überschaubar. Einer dieser Titel ist „Reader’s Digest“ den viele im deutschen Printmarkt wohl noch mit dem Zusatz „Das Beste“ kennen dürften.

 

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Aus der Erinnerung heraus ist dies ein Magazin, was irgendwie mit einem guten alten Freund der Familie gleichzusetzen wäre. Man selbst hatte nie Zugang zu dem Titel, aber der eigene Großvater las die Zeitschrift Monat für Monat und dies auch mit großer Freude. „Reader’s Digest“ war eigentlich immer präsent, wenngleich man selbst nie richtig verstand, worum es dabei eigentlich ging.

Ordnung muss sein, meistens zumindest. Und manchmal wird das mit der Ordnung aber auch übertrieben. Musiker können davon ein Lied singen, wenn Kritiker die Werke katalogisieren wollen, vornehmlich in U- oder E-Musik, wobei „E“ natürlich nicht für „Elektro“, sondern für „Ernste“ und „U“ für „Unterhaltung“ steht. Schwierig wird das Schubladendenken, wenn die Unterschiede dazwischen kaum auszumachen sind. Eine solche Unterteilung ist auch bei „Reader’s Digest“ sehr schwierig.

 

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Doch da der Zeitschiftenmarkt vor allem für den Leser kaum noch überschaubar ist, ist eine Unterteilung in Genres durchaus sinnvoll. Die Fachleute sprechen hierbei von „Objektgruppen“. Und so muss der Käufer am Regal die gewünschte Zeitschrift nicht in einem endlosen Alphabet suchen, sondern findet „seine“ Fernsehzeitschrift genau dort, wo auch deren Mitbewerber anzutreffen sind. Und von diesen „Programmis“ gibt es inzwischen bereits 50 verschiedene. Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Aber nicht immer erschließt sich dem Leser bei einer Einteilung auch eine entsprechende Logik. Ist Wendy nun eine Pferde- oder eine Kinderzeitschrift? Und wie ist es um das Micky Maus Magazin bestellt, bei dem doch die Käufer im Durchschnitt über 30 Jahre alt sind und die wohl bekannteste Abonnentin Hella von Sinnen ist? Und jene Frage der Rubrizierung stellt sich sodann auch bei „Reader’s Digest“.

 

Magazine wie „Stern“ bieten ein breites Themenspektrum an, selbst Jugendliche finden darin Themen, für die sie sich begeistern können. Und auch Tageszeitungen fördern längst wieder ihren eigenen Leser-Nachwuchs durch die Integration von Kinderseiten. Doch Jahrzehntelang war „Reader’s Digest“ für Jugendliche eher als „schwere Kost“ zu bezeichnen. Denn das Konzept des Magazins war es nicht zuletzt, Auszüge aus bekannten und weniger bekannten Büchern zu veröffentlichen.

 

Keine Spur mehr von Hildegard Knef und Curd Jürgens

Wenn dann Passagen aus dem „Geschenkten Gaul“ von Hildegard Knef oder von Curd Jürgens autobiografischen Roman „…und kein bißchen Weise“ veröffentlicht wurden, so konnte man als Jugendlicher nicht einmal etwas mit den Namen der Autoren anfangen. Aber dem Großvater gefiel genau diese Auswahl. Doch dieses Heftkonzept gehört längst der Vergangenheit an.

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Man könnte salopp sagen, dass inzwischen für jeden Leser, für jede Altersgruppe etwas dabei wäre. Doch das wäre zu oberflächlich und würde der Themenauswahl nicht gerecht werden. Die Inhalte sind tiefgründig, und sind lehrreich aber eben nicht belehrend. „Reader’s Digest“ hat nicht mehr das verstaubte Image, welches vielleicht bei vielen in Erinnerung hängen blieb, nachdem man ergründete, was der eigene Großvater jeden Monat da eigentlich liest.

Es werden Ratgeber-Themen für den Alltag und aus dem Gesundheitsbereich präsentiert, ebenso auch Erfahrungsberichte, Denksportaufgaben und, hier bleibt sich das Magazin dann doch wieder treu, auch Auszüge aus Literatur-Klassiker. Aber eben nicht die „klassischen Klassiker“, sondern lesenwerte Werke, die man kaum im Handel erwerben kann, die aber dennoch nicht unerwähnt bleiben sollten.

 

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In Fotostrecken werden in der aktuellen Heftfolge Eindrücke vom Museum Museo Subacuático in Mexiko, das sich auf dem Meersgrund vor der Insel Mujeres in der Karibik befindet und über 500 Skulpturen unter Wasser bereithält, vermittelt. In einem zweiten Artikel stellt die Redaktion beeindruckende Bäume und deren Geschichte vor. Hierzu zählen die „Chêne Chaopelle“ in Allouville-Bellefosse, Normandie, Frankreich, der „Olivio del Mouchão“ in Mouriscas, Portugal, „Newtons Apfelbaum“ in Woolsthorpe Manor, Lincolnshiere, Großbritannien, der „Il Castagno die Cento Cavalli! Am Ätna in Sizilien, Italien und auch der „Old Tjikko“ im Nationalpark Fulufjället in Schweden.

Eine Reportage berichtet von dem Abiturienten Leon Luca Troll aus Vellmar, der zusammen mit einem Freund am 15. März 2019 am Hauptbahnhof in Kassel bei einer versuchten Körperverletzung dazwischen ging und den Angreifer zu Boden rang. Geschildert wird auch das Drama um Kurt Kaser. Der 63-Jährige geriet bei der Feldarbeit im US-Bundesstaat Nebraska mit einem Bein in das Förderband eines Mai-Ssilos.

 

Die Redaktion verrät, wie man mit frischen Kräutern wie Persilie oder Basilikum Salat oder Pizza verfeinern kann. In 33 Punkten werden die Erkenntnis von Forschern, die sie im Ungang mit Tieren wie Hunde, Katzen, Fische, Papageien und Pferde gewannen, aufbereitet, um deren Körpersprache besser verstehen zu können. Zudem werden 33 Symptome wie Schmerzen in der Brust, plötzlich auftretende Sprachstörungen, Sehstörungen, kribbelnde Arme, Blut im Urin oder Stuhl, Kurzatmigkeit, veränderte Leberflecke, rote Streifen auf der Haut, einseitige Beinschmerzen, übermäßiger Durst oder Schluckbeschwerden benannt und erläutert, was sie bedeuten können und ob umgehend ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Als „Kein Mann für Kompromisse“ wird Paul Breitner porträtiert. Im Gespräch erläutert er gegenüber „Reader’s Digest“, weshalb er sich ein zweites „Ich“ zulegte und wie er hilft, Armut zu lindern. Und schließlich ist auch der legendäre Buchauszug in der aktuellen Ausgabe enthalten. Vorgestellt wird „Nur drei Tage Augenlicht“. Die Redakteurin Stephanie Winterkorn-Dassow erklärt zu der Buchautorin: „Die blinde Helen Keller öffnet uns buchstäblich die Augen, wenn sie uns auffordert, unsere Sinne so zu gebrauchen, als würden wir sie morgen verlieren.“

„Reader’s Digest“ kam erstmals 1922 in den USA in den Handel, in Deutschland wurde 1948 die erste Ausgabe veröffentlicht. Nach Angaben des Verlags werden im deutschen Markt monatlich 220.000 Exemplare verkauft, dies vornehmlich von Lesern, die zu den bestausgebildeten und ökonomisch leistungsfähigsten Schichten zählen. „Reader’s Digest“-Leser leben in den Haushalten mit überdurchschnittlichem Netto-Einkommen. Sie können sich mehr leisten, weil mehr freies Geld zur Verfügung steht“, heißt es in einer Verlagserklärung.

 

Bleibt noch die Frage, in welche Kategorie man die Zeitschrift einsortieren sollte. „Illustrierte“ wäre „irgendwie zu billig“. Es ist aber auch nicht einfach ein Nachrichtenmagazin oder eine Ratgeberzeitschrift. Es ist irgendwie von allem etwas. Man selbst bezeichnet sich als „Balance-Magazin“, weil man den Lesern Momente der Entspannung und Entschleunigung bietet. Und diese Einschätzung hat durchaus ihre Berechtigung.

Dem Handel wurde hingegen vorgegeben, das Magazin bei Frauenzeitschriften einzusortieren und dies wohl auch deshalb, weil 64% der Leser weiblich sind. Als Altersschwerpunkt wird 50 plus angegeben, wenngleich man auch durchaus „jüngere Themen“ aufbereitet. Vielleicht hat man einfach das Thema „Marketing“ nicht genügend ausgereizt und jüngere Leser noch nicht „angeholt“. Chancen, jüngere Leser gewinnen zu können, hat das Magazin jedoch allemal.

„Reader’s Digest“ ist zum Verkaufspreis von 4,50 Euro am Kiosk erhältlich. Die nächste belieferte Verkaufsstelle kann online über das Portal mykiosk abgefragt werden.

 

  

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Tags: Reader’s Digest, Frauenzeitschriften (Objektgruppe)

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