Newsletter als Zusatzprodukte: Post vom Chefredakteur

Sie heißen „Checkpoint“, „Stimme des Westens“, „Vorab:“, „Hauptwache“, „Morningbriefing“ oder einfach nur „Post vom Chefredakteur“. Immer mehr Chefredaktionen von Zeitungen nutzen den Newsletter als zusätzlichen Kommunikationskanal zu ihren Lesern. Allein in diesem Jahr werden nach einer Erhebung des BDZV mehr als 20 Zeitungen einen Chefredakteurs-Newsletter einführen. Die Newsletter seien ein Beispiel für den Innovationsgeist und die Experimentierfreude in den Redaktionen, erklärte Hans-Joachim Fuhrmann, Mitglied der BDZV- Geschäftsleitung, bei der Eröffnung der Konferenz Chefredakteure in Berlin.


Ziel sei es, mit neuen Themen, anderen inhaltlichen Formaten und neuartigen Produkten zu überraschen. Bei den Newslettern stehe die Penetration der Zeitungsmarke und die emotionale Bindung der Leser an die Redaktion im Fokus. Im Schnitt erreichten die Newsletter 35.000 Abon-nenten, in der Spitze seien es 150.000 und mehr.

Besonders erfolgreich ist der Newsletter "Checkpoint" von „Tagesspiegel“-Chefredakteur Lorenz Maroldt – der kürzlich mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Chefredakteurs-Kollege Stephan-Andreas Casdorff sprach Maroldt bei der Konferenz über Teamarbeit und neue journalistische Produkte bei der Berliner Tageszeitung.

 

Im Zentrum der Konferenz Chefredakteure standen Digitalstrategien der Verlage sowie wegweisende Zeitungsprodukte. Zu den Gästen auf der Bühne gehörten auch Donata Hopfen, Verlagsgeschäftsführerin BILD-Gruppe und Christoph Bauer, Vorstandsvorsitzender Mediengruppe M. DuMont Schauberg. Donata Hopfen zeigte die Digitalstrategie der Boulevardzeitung auf: „Früh dabei sein und lernen - und erst dann schauen, wo die Chancen und Risiken liegen." An die Teilnehmer appellierte sie: „Man muss mitgestalten - sonst wird man gestaltet." Christoph Bauer gab Einsichten in die Erneuerungsprozesse des Kölner Verlagshauses. „Es geht nicht immer nur um die großen Schritte - man muss viele kleine Dinge bewegen", sagte Bauer. Print sei noch lange nicht tot. „Wir müssen Print nur wieder neu erfinden."

Einen wertvollen Blick ins Nachbarland gewährte Philippe Remarque, Chefredakteur der presigekrönten niederländischen Zeitung „De Volkskrant“ (Amsterdam), die in den vergangenen Jahren mit mutigen Designänderungen und neuen journalistischen Produkten auf sich aufmerksam machte. „Evolution, keine Revolution", erklärte Remarque die Erneuerungsstrategien in seinem Haus. Besonders wichtig sei es, die richtigen Mitarbeiters an Board zu haben („Wir müssen ein Magnet für Talente sein!“). Dabei sei Erfahrung nicht immer wichtig, man müsse gute Ideen haben. Remarque: „Wenn du es nicht machst, macht es ein anderer."

 

Der Zeitungsdesigner Norbert Küpper lieferte Antworten auf die Frage „Wer macht in Europa die besten Zeitungen?“ und zeigte drei Trends auf: 1. Zeitungen werden zu Magazinen, 2. Die Zeitung als tägliche Wochenzeitung und 3. Alternative Erzählformen. Der Chefredakteur der in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“, Wolfram Kiwit, sowie Verlagsberater Georg Hesse (conreri consultants, Hamburg) präsentierten eine Fallstudie zum Thema „Nutzerloyalität“. Kiwit: „Wir müssen experimentierfreudiger werden (…) – und uns viel häufiger mit Technologie-Experten an eine Werkbank setzen." Das Fazit eines Konferenz-Teilnehmers: „Attraktives Programm – die Themen trafen den Nerv der Branche!“