Folge uns auf Facebook

Print in der Krise? Warum Print immer noch erfolgreich sein kann.

Pressemarkt in Gefahr?Das Internet ist Schuld sagen die einen. Die Verlage sind schuld, die auf die zunehmende Digitalisierung nicht vorbereitet waren, sagen die anderen.

Doch stecken die Verlage mit ihren Print-Produkten wirklich in der Krise? Ist Print ein Auslaufmodell? Die fortwährend erscheinenden neuen Zeitschriften, die Erfolgstory der „Landlust“ oder das erst jüngst erfolgreich lancierte Grundgesetz Magazin GG sprechen jedenfalls dagegen, dass „Print“ ein Auslaufmodell ist.

 

Zeitschriften und Magazine zu finden war bis vor einigen Jahren nicht schwer. Ab zum nächsten Zeitschriftenkiosk, Lottoladen oder Tankstelle und man hielt das Objekt der Begierde in den Händen.

Wachstum, Wachstum, Wachstum

Doch das Angebot wuchs stetig an. Große und kleine Verlage überboten sich ab den 1990ern in der Herausgabe von so genannten Special Interest Titeln, eine wahre Titelflut ergoss sich über dem Segment der TV Zeitschriften, um nur einige der Phänomene zu nennen. Eine Erweiterung des Verkaufstellennetzes schien die Lösung des Problems zu sein.

Der Zeitschriftengroßhandel (Grosso) erschloss in dieser Zeit weitere Verkaufsstellen insbesondere im Bereich der Super- und Verbrauchermarktketten. Zu einem Überangebot an Zeitschriften kam nun auch noch ein Überangebot an Verkaufsstellen.

Mit der steigenden Anzahl an presseverkaufenden Händlern wurde auch das Pressegeschäft für die Grossisten immer vielschichtiger. Die richtige Ware, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zum Angebot zu bringen erwies sich für den Großhandel jedoch als Problem. Steigende Transport- und Logistikkosten einerseits, eine wachsende Zahl an Händlern mit geringen Umsätzen und hohen Nullverkaufsquoten andererseits ließen das Grosso das jahrzehntelang verfolgte Konzept der Überallerhältlichkeit (Ubiquität) in Frage stellen. Auf der Suche nach Kostensenkungspotenzialen wurden Formeln entwickelt, um die Zahl der Rückläufer (Remissionen) immer stärker zu begrenzen. Auch vom Push-Prinzip, Ware zunächst auf eine maximale Anzahl an Händler zu “pushen”, wandte man sich immer häufiger ab. Dies betraf in erster Linie die mittelständischen Verlage der Special-Interest-Magazine deren Vertrieb von hohen Remissionsquoten geprägt waren und deren begrenzte Zielgruppe die Verteilung im Einzelhandel schwierig machte.

Vertriebsproblem wird zum Käuferproblem

Doch was die Branche nicht vorhersah: die "Vision", Zeitschriften im Pressemarkt zukünftig gezielt zum Angebot zu bringen, entwickelte sich zu einem desaströsen Käuferproblem. Denn der interessierte Leser wusste immer seltener, wo es seine Zeitschriften überhaupt zu kaufen gab. Ein nutzerfreundliches Instrument dieser Orientierungslosigkeit des Lesers entgegenzutreten gab es lange Jahre nicht.

Nicht wenige Leser von Zeitschriften dürften sich in dieser Zeit (Anfang 2000er) von Print abgewendet und in der Folgezeit neue (multimediale) Lesegewohnheiten entwickelt haben. Das Grosso hatte die Folgen seiner Strategien nicht bzw. viel zu spät erkannt.

Was folgte, waren diverse erfolglose Versuche auf Seiten der Verlage, die Verfügbarkeit der eigenen Produkte für interessierte Leser im Internet recherchierbar zu machen, denn die Einnahmen mit den Inhalten der digitalen Produkte waren weitaus geringer als ihr Potenzial. Niemand wollte "schuld" sein an der vermeintlichen Printkrise, dabei ging es nie um Schuld haben oder nicht. Ausbleibende Verkäufe wurden fehlgeleitet als Nachfrageproblem erkannt. Dabei führte der Strategiewechsel im Vertrieb und die einhergehende selektive Verfügbarkeit von Print zu einem Informationsproblem.

Mykiosk.com

Das Grosso ließ sich Zeit mit einer Lösung, diese jedoch schaffte den “Durchbruch”. Der Grossist Jost aus München hatte eine entsprechendes Tool entwickelt und selbst publiziert. 2006 wurde das Portal als vom Bundesverband der Pressegrossisten (BVPG) als Branchenlösung präsentiert. Tägliche Aktualisierungen des Handels sorgen seitdem dafür, dass der Leser den nächsten presseführenden Einzelhändler in seiner Nähe für nahezu jeden gesuchten Titel lokalisieren kann.

Einziges Problem: der nicht repräsentative Feldversuch des Verfassers zeigt, dass nur wenige Einzelhändler und noch weniger Leser um dieses äußerst nützliche online-Tool wissen. Aber das sollte ja eigentlich zu ändern sein, oder? Und dann könnte “das Internet” die Printbranche zumindest teilweise aus der Krise herausholen, in die es angeblich geführt hat.

 

 

 

 

Tags: Magazin, Zeitschrift, Printkrise, Marktentwicklung, Ubiquität

Neu im Handel

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7

Top Artikel auf Pressenews in Deutschland

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23