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Madsack: Regionale Tageszeitungen führen Digital-Abo ein

Madsack-Verlagshaus (© Madsack Mediengruppe)Madsack-Verlagshaus (© Madsack Mediengruppe)Das Wall Street Journal war 1998 die erste Zeitung, die ihre Online-Inhalte hinter einer Bezahlschranke anbot. Seitdem versuchen Verlage mit unterschiedlichen Paywall-Varianten eine Kompensation von fehlenden Anzeigenerlösen zu ermöglichen. Nun hat die Hannoveraner Madsack Mediengruppe ein weiteres Bezahlmodell umgesetzt.


 

Seit dem 1. Juli 2019 bietet Madsack unter dem Namen „Plus“ eine digitale Nachrichten-Flatrate an. Hierbei erhalten Leser exklusive Angebote „für relevante regionale und lokale Inhalte“. Diese Zusammenstellung steht den Lesern für 2,49€ pro Woche zur Verfügung. Madsack bezeichnet dieses Modell als eine „Time-Wall“ und verfolgt einen in Deutschland bisher einzigartigen Ansatz. Denn die „Plus-Inhalte“ sind nach der Veröffentlichung für die erste Stunde zunächst für alle Leser frei zugänglich. Nach Ablauf der 60 Minuten ist der Artikel dann Digital-Abonnenten vorbehalten. Mit diesem Ansatz möchte Madsack einen häufigen Besuch der Titel-Webseiten der Mediengruppe erreichen und gleichzeitig einen Anreiz zum Abschluss eines Digital-Abos schaffen.

Madsack hat dieses Modell zunächst auf die Hannoversche Allgemeine Zeitung („HAZ“) und die Neue Presse (Hannover) begrenzt. Später wird es auch auf die übrigen Tageszeitungen Aller-Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten, Göttinger Tageblatt, Gelnhäuser Neue Zeitung, Göttinger Tageblatt, Leipziger Volkszeitung, Lübecker Nachrichten, Märkische Allgemeine (Potsdam), Naumburger Tageblatt, Ostsee-Zeitung (Rostock), Peiner Allgemeine Zeitung, Schaumburger Nachrichten und die Wolfsburger Allgemeine ausgedehnt werden.

 


 

Fraglich ist dabei jedoch, ob nicht unter den Stammlesern eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ etabliert wird. Denn wie das Meinungsforschungsinstitut Allensbach feststellte, stehen regionale Themen auf Platz 1 der Leser-Beliebtheitsskala mit deutlichem Abstand zu Platz 2 (politische Themen). Zudem zeigt die Media-Analyse agma ebenso, dass bei regionalen Abozeitungen die höchste prozentuale Reichweite in der Altersgruppe „60 Jahre und älter“ zu verzeichnen ist. Aber jene Gruppe ist für digitale Angebote weniger zugänglich.

Hier könnte demnach die Gefahr bestehen, dass sich die Altersgruppe „60 Jahre und älter“ bezüglich regionaler Themen ausgegrenzt fühlt, wenn diese im klassischen Printabo monatlich 46,90€ (am Beispiel HAZ) bezahlt und dafür weniger redaktionelle Angebote erhält als für monatlich 9,96€ im Plus-Abo. Ohne Zweifel sind im klassischen Angebot Versandkosten oder Zustellerlöhne sowie auch Kosten für Druck und Papier enthalten. Doch das wird der Abonnent, der ein Printabo mitunter jahrzehntelang bezieht, kaum berücksichtigen und wenn überhaupt, wird er den mehr als vierfach höheren Unterschied kaum als gerechtfertigt ansehen.

 


 

„Die journalistischen Produkte der Madsack Mediengruppe bieten für jeden Leser etwas. Auf unterschiedlichen Kanälen bedienen wir die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen. Das ‚Plus’-Angebot unserer Titel ist demnach ein eigenständiges Produkt, die Inhalte orientieren sich an den Bedürfnissen der digitalen Leser“ erklärt Madsack auf Nachfrage von Pressenews in Deutschland.

Und weiter: „Es handelt sich um originären Content und nicht um Inhalte, die einfach aus der Print/E-Paper-Ausgabe zur Verfügung gestellt werden. Selbstverständlich nutzen wir allerdings redaktionelle Synergien bei der Erstellung von Inhalten. Aus den unterschiedlichen Produkten und ihren Bezugswegen (digital/physische Zustellung) ergibt sich die unterschiedliche Preisstruktur. Das Abo für 46,90€ beinhaltet ein umfassendes Premium-Paket: Neben der gedruckten Zeitung enthält es das E-Paper, alle HAZ+ Inhalte (inklusive HAZ mobil) sowie die AboPlus-Karte für weitere Vorteile (zum Beispiel exklusiver Zugang zu Veranstaltungen) und Rabatte. Die Abonnenten erhalten also Zugang zu allen Kanälen und Inhalten. Abonnenten, die bislang ausschließlich eine Printausgabe beziehen, haben zudem die Möglichkeit, für nur 3,-€ monatlich alle digitalen Kanäle zusätzlich zu abonnieren.“

 


 

Im Gegensatz zu festen Tarifen hatte unter anderem die taz im Frühjahr 2011 ein so genanntes „Social Payment“ eingeführt, bei der Leser freiwillig Artikel einmalig oder dauerhaft Zahlungen leisten. Eine Studie der Oxford-Universität stellte 2017 auf Grundlage von 171 Nachrichtenwebseiten in sechs europäischen Ländern fest, dass der Anteil der zahlenden Nutzer gering ist. Einige Zeitungen heben sogar die Bezahlschranken zeitweise auch wieder auf, so in den USA während der Präsidentschaftswahl 2016 oder auch die Rheinische Post Anfang 2018 während des Orkantiefs „Friederike“.

Paywalls können auch zu falschen Darstellungen führen, wenn im sichtbaren Einleitungstext eine These aufgestellt, die in jenem, den zahlenden Lesern zugänglichen Teil, relativiert wird. So geschehen im Frühjahr 2018, als sich aus der Überschrift eines in der „Bild“ veröffentlichten Artikels in Bezug auf Sozialleistungen für eine Flüchtlingsfamilie ein Anreiz zum Teilen des Beitrags in sozialen Netzen entstand, um Stimmung gegen Geflüchtete machen zu können.

Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Bezahlschranken-Modelle weiterentwickeln.

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Tags: Tageszeitung, Madsack, Bezahlschranke / Paywall

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