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Corona-Krise: Bahnhofsbuchhandlungen in zahlreichen Bundesländern werden geschlossen

Bahn Thomas B. auf PixabayDie Corona-Krise beeinflusst unverändert den Pressehandel. Aufgrund rückläufiger Fahrgastzahlen werden weitere Presseverkaufsstellen vorerst geschlossen. Hiervon betroffen sind heutigen Meldungen zufolge mehrere Standorte zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Bayern.

 

Keine Fahrgäste, keine Umsätze. Aufgrund dessen sinkt die Rentabilität in diversen Bahnhofskiosken, den jeweiligen Betreibern bleibt allein die Möglichkeit, die Verkaufsstellen vorerst zu schließen. So informiert Valora über die vorübergehende Stilllegung der Filialen Stendal (Sachsen-Anhalt, 39.000 Einwohner, Kategorie 3), Donauwörth (Bayern, 20.000 Einwohner, Kategorie 4), Jena-West (Thüringen, 8.000 Einwohner, Kategorie 3).

 

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Lagardère Travel Retail Deutschland GmbH beendet den Betrieb in Minden (Nordrhein-Westfalen, 82.000 Einwohner, Kategorie 3) und Haltern (Nordrhein-Westfalen, 38.000 Einwohner, Kategorie 4). Betroffen sind zudem auch die Bahnhöfe Rostock-Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern, 6.000 Einwohner im Ortsteil, Kategorie 3), Saalfeld (Thüringen, 29.000 Einwohner, Kategorie 3), Pirna (Sachsen, 38.000 Einwohner, Kategorie 4), Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern, 59.000 Einwohner, Kategorie 4), die von der Unternehmensgruppe Dr. Eckert betreut werden.

Außerdem werden in der Oberpfalz (Bayern) die Pressehandlungen an den Standorten Amberg (Bayern, 42.000 Einwohner, Kategorie 5) und Weiden (Bayern, 43.000 Einwohner, Kategorie 3) bis auf weiteres stillgelegt.

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Der Bahnhofsbuchhandel

Im Pressevertrieb nimmt der Bahnhofsbuchhandel (BB) aufgrund besonderer Anforderungen und Bestimmungen eine gesonderte Position ein. Die Bedingungen sind ursprünglich im Bundesbahngesetz verankert gewesen. Der Bahnhofsbuchhändler sollte dabei den Bedarf der Reisenden decken. Entgegen anderer Verkaufsstellen wird der BB nicht über einen regionalen Pressegroßhändler („Grossist“), sondern vom Verlag direkt beliefert.

Die im Gesetz festgelegten Bedingungen waren unter anderem, dass eine Bahnhofsbuchhandlung an sämtlichen Tagen des Jahres geöffnet sein muss. Betriebsferien und Schließungen an Feiertagen sind ausgeschlossen. Die Öffnungszeiten betragen zudem in der Regel mindestens 100 Stunden pro Woche, jedoch nicht weniger als 90 Stunden pro Woche, wenn dies der relevanten Zuglage entspricht.

Etwa 350 Standorte im Bahnhofsbuchhandel gibt es derzeit in Deutschland, jede zehnte Zeitschrift wird im BB verkauft. Aber nicht jede Verkaufsstelle im Bahnhof ist auch automatisch ein klassischer „Bahnhofsbuchhändler". Oftmals werden Bahnhofskioske über Grossisten beliefert, sofern die oben genannten Kriterien nicht erfüllt werden können.

Dagegen können Verkaufsstellen in Flughäfen durchaus den Status eines Bahnhofsbuchhändlers erhalten, so beispielsweise Verkaufsstellen in Frankfurt Rhein/Main, Berlin-Tegel, Berlin-Schönefeld oder München Erdinger Moos. Aber auch hier erschließt sich für den Laien keine einheitliche Struktur. Während die Verkaufsstelle im Flughafen Köln/Bonn (9,9 Millionen Passagiere in 2010) keinen BB-Status hat, wird beispielsweise der wesentlich kleinere Airport Dresden (1,9 Millionen Passagiere in 2010) zum Bahnhofsbuchhandel gezählt.

Im Rahmen der Verschmelzung der Deutschen Bundesbahn mit der Deutschen Reichsbahn und der zeitgleich einhergehenden Privatisierung durch Gründung der Deutschen Bahn AG zum 1. Januar 1994 wurde das Bundesbahngesetz weitestgehend außer Kraft gesetzt. In der Branche wurden daher die „Kriterien für den Bahnhofsbuchhandel“ vereinbart, an der Ausarbeitung war das Bundeskartellamt beteiligt. Diese Rahmenbedingungen beinhalten die Vorgaben, die sich für den Bahnhofsbuchhandel zuvor bereits aus dem Bundesbahngesetz ergaben.


Bahnhofskategorien

Seit 1944 werden in Deutschland Bahnhöfe in Kategorien unterteilt. Dabei werden die Zahl der Bahnsteige, die Bahnsteiglängen, die Zahl der Zughalte und die der Reisenden berücksichtigt. Im Laufe der Zeit wurden die Bewertungssysteme aber immer wieder modifiziert oder auch umbenannt. Seit 2017 verwendet die Deutsche Bahn AG nicht mehr den Begriff „Bahnhofskategorie“, sondern nunmehr die Bezeichnung „Preisklasse“. Hiermit werden jene Tarife dargestellt, die private Bahnunternehmen bei einem Halt an die Deutsche Bahn zu entrichten haben.

Die wichtigsten Bahnhöfe gehören zur Kategorie 1. Hierzu zählen in Berlin die Stationen Hauptbahnhof, Gesundbrunnen, Ostbahnhof und Südkreuz sowie die Hauptbahnhöfe in Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, München, Nürnberg, Stuttgart sowie Hamburg-Altona und der Ostbahnhof in München.

Lagardère Travel Retail Deutschland GmbH

Den Grundstein für die heutige Lagardère Travel Retail legte Louis Hachette, der 1826 in Paris seine erste Buchhandlung eröffnete. 1852 öffnete am Pariser Bahnhof Gare de Lyon sodann eine Bahnhofsbuchhandlung. Anfang des 20. Jahrhunderts folgten Geschäftsöffnungen auch in Spanien und Belgien.

Seit 1999 war man schließlich auch in der Tschechischen Republik, Polen und Deutschland vertreten, dort unter der Firmierung HDS Retail Deutschland. Der Markteintritt in der Bundesrepublik erfolgte durch die Übernahme der Bahnhofsbuchhandelskette Bauer in Wiesbaden. 2012 folgte eine Umfirmierung in LS travel retail Deutschland GmbH. Ab Oktober 2015 trat man sodann unter der Bezeichnung Lagardère Travel Retail Deutschland auf.

Lagardère ist vertreten an den Bahnhöfen Siegen, Darmstadt, Hannover, Bad Kreuznach, Goslar, Herford, Bünde, Unna, Haltern am See, Wuppertal-Oberbarmen, Hamburg-Bergedorf, Minden, Frankfurt/Südbahnhof, Mülheim an der Ruhr, Wuppertal Hbf., Berlin, Hbf., Osnabrück, Hanau, Wiesbaden, Mainz, Friedberg, Bad Nauheim, Celle, Neuss sowie an den Flughäfen Hannover, Stuttgart, Dresden, Frankfurt-Hahn, Berlin-Tegel (Terminal C), Bremen, Hamburg, Frankfurt/Main sowie Berlin-Schönefeld. Einige Verkaufsstellen werden im Franchise-System betrieben.

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Valora

Der 1905 gegründete börsennotierte Schweizer Handelskonzern Valora ist seit der im Januar 1997 vollzogenen Übernahme der Stilke aktuell GmbH im deutschen Bahnhofsbuchhandel vertreten. Der 1840 in Düsseldorf geborene Verleger Georg Stilke öffnete 1882 in Berlin seine ersten Verkaufsstellen und baute in den Folgejahren sein Unternehmen kontinuierlich aus. Mit Filialen von Flensburg bis Bonn konnte das Unternehmen schließlich in den 1970er Jahren etwa 50 Prozent des gesamten Bahnhofsbuchhandels-Umsatz erzielen.

Valora übernahm schließlich mit den Handelsketten BZVG Lux (Berlin), Detlef Horndasch (Gütersloh), Sussmann’s (München), Falter (Aachen) sowie Wittwer (Stuttgart) weitere Bahnhofsbuchhändler, ebenso auch einzelne Familienunternehmen und ist inzwischen in allen Bundesländern vertreten. Zudem bestehen auch Verkaufsstellen außerhalb der Bahnhöfe und Flughäfen, vornehmlich in Einkaufszentren. Bekannteste Filiale dürfte der Standort im Berliner Europacenter sein. Darüber hinaus erwarb Valora Unternehmen in anderen Branchen, so die Ketten „Backwerk“ und „Ditsch“. Viele Verkaufsstellen werden von Franchisepartnern betrieben. Nach eigenen Angaben ist Valora mit über 900 Partnern Marktführer im kleinflächigen Einzelhandel.

Valora betreibt die Bahnhofsbuchhandlungen in Aachen, Aalen, Ahlen, Ahrensburg, Aschersleben, Bad Oldesloe, Bensheim, Bielefeld, Bietigheim-Bissingen, Böblingen, Bocholt, Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen, Bremerhaven, Buchloe, Chemnitz, Cuxhaven, Dachau, Delmenhorst, Diepholz, Dinslaken, Donauwörth, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düren, Düsseldorf, Elmshorn, Emden, Emmerich, Essen, Esslingen/Neckar, Euskirchen, Fulda, Gelsenkirchen, Gütersloh, Haar, Hagen, Hameln, Hamm, Heidenheim, Heilbronn, Herne und Wanne-Eickel, Hildesheim, Itzehoe, Jena, Koblenz, Köthen, Krefeld, Kronach, Landshut, Leer, Lichtenfels, Lübeck, Ludwigsburg, Lüneburg, Magdeburg, Marburg, Mönchengladbach Hbf. und Rheydt, Münster, Neumünster, Neunkirchen, Nienburg/Weser, Nordhausen, Oberhausen, Pinneberg, Potsdam, Ravensburg, Recklinghausen, Remscheid, Rendsburg, Reutlingen, Rheine, Rostock Hbf., Saarlouis, Schorndorf, Schwerin, Schwerte, Siegburg, Solingen, St. Ingbert, St. Wendel, Stade, Starnberg, Stendal, Stralsund, Uelzen, Ulm, Wesel, Witten, Wolfsburg, Zwickau sowie in Berlin die Stationen Adenauer Platz, Alexanderplatz (Übergang Fernbahn zur U-Bahn), Alt-Mariendorf, Flughafen Tegel (Haupthalle), Frankfurter Allee, Frohnau, Gesundbrunnen, Greifswalder Straße, Lichtenberg (U-Bahnhof-Bereich), Neukölln, Osloer Str., Ostbahnhof, Ostkreuz, Rathaus Steglitz, Spandau (Fernbahn und am BVG-Servicepoint), Tempelhof sowie Zoo (Fernbahn-Haupthalle), in Hamburg die Bahnhöfe Altona, Dammtor, Harburg, , Hauptbahnhof, Blankenese und im Flughafen, ist in München am Hauptbahnhof, in Pasing und am Ostbahnhof vertreten sowie in Stuttgart am Hauptbahnhof und in Bad Cannstatt.

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Die Unternehmensgruppe Dr. Eckert

Mit Gesellschaftsvertrag vom 6. Juli 1923 wurde in Heidelberg das Handelshaus für Reise und Verkehr gegründet. Geschäftsführer wurden Dr. Adam Eckert und Wilhelm Pappritz. Zwei Jahre später verlegte man den Firmensitz nach Stuttgart. 1928 erfolgte die Übernahme des Frankfurter Tabakhaus’ L. Barbarino, im Jahr darauf kam schließlich der Reisebedarfsspezialisten Peter Welter hinzu. 1988 erwarb man die Buchhandlungen Gerhard Ludwig GmbH in Köln.

In der DDR war die Deutsche Post der DDR zuständig für den Betrieb der Zeitungskioske. Während der Wende wurde diese Sparte auf die damals neugegründete PSG Postdienst Service Gesellschaft ausgelagert, die sodann 1998 von Dr. Eckert übernommen wurde und später als „PSG Prima Service Gesellschaft mbH“ firmierte. 2001 wurden die Firmen Handelshaus für Reise und Verkehr Dr. Eckert & Co. und L. Barbarino KG zum Handelshaus Dr. Eckert & Co. KG verschmolzen. 2010 beschloss man, alle Unternehmen in der Unternehmensgruppe Dr. Eckert GmbH zu vereinen, wenngleich einzelne Marken wie Barbarino auch weiterhin als Firmenlogos beibehalten werden.

Im Bahnhofsbuchhandel unterhält das Unternehmen heute Filialen an den Standorten Annweiler, Ansbach, Asperg, Aulendorf, Backnang, Bad Mergentheim, Bad Saulgau, Bad Wildbad, Baiersbronn, Bernau, Besigheim, Biberach, Bitterfeld, Bonn-Bad Godesberg, Brandenburg an der Havel, Coburg, Cottbus, Dessau, Ditzingen, Dresden-Neustadt, Ebersbach, Ellwangen, Erkner, Frankenthal, Frankfurt/Oder, Freudenstadt, Göppingen, Görlitz, Greifswald, Grünstadt, Güstrow, Halberstadt, Halle, Hennigsdorf, Herrenberg, Homburg, Kaiserslautern, Köln Hbf., Köln-Deutz, Königs-Wusterhausen, Landau/Pfalz, Lauffen, Leipzig Hauptbahnhof, Leonberg, Limburgerhof, Lorch, Lörrach, Ludwigshafen, Marbach, Meißen, Merseburg, Mühlacker, Naumburg, Nierstein, Nürtingen, Oberesslingen, Oldenburg, Oranienburg, Ostseebad Binz auf Rügen, Pirna, Plochingen, Rostock-Warnemünde, Saalfeld, Saarbrücken, Schwabach, Schwäbisch-Gmünd, Soest, Speyer, Stuttgart (Büchsenstraße), Stuttgart-Feuerbach, Stuttgart-Zuffenhausen, Trier, Tübingen, Waldshut-Tiengen, Weil der Stadt, Wernigerode/Harz, Wilhelmshaven, Winnenden, am Flughafen Leipzig sowie in Berlin an den Stationen Alexanderplatz (Haupthalle/Fernbahn), Baumschulenweg, Friedrichsfelde-Ost, Friedrichstraße, Helene-Weigel-Platz, Lichtenberg (Haupthalle), Papestraße, Potsdamer Platz und Südkreuz.

 

Bild von Thomas B. auf Pixabay

siehe auch: Themenbereich Corona-/COVID-19-Pandemie


 

 

Tags: Bahnhofsbuchhandel, Valora, Unternehmensgruppe Dr. Eckert, Corona-/COVID-19-Pandemie

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